Stückwerk

Verdi: La traviata
HALLE | OPER

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Gäbe es ein Ranking derjenigen Opern, an denen sich die Probleme in Pandemie-Zeiten am treffendsten zeigen ließen, Verdis «La traviata» stünde gewiss sehr weit oben: So laboriert die Hauptfigur nicht nur an einer Atemwegserkrankung (im Stück weniger infektiös, dafür aber mit tödlichem Ausgang: Tuberkulose), sondern muss sich auch dem Druck gesellschaftlicher Ausgrenzung (neudeutsch: Social Distancing) fügen und die nicht statthafte Liaison mit dem ihr höher gestellten Alfredo beenden.

In der Halleschen Inszenierung der jungen Regisseurin Julia Lwowski wird daraus eine halt- und hemmungslose Übersteigerung. Da hat, wie eingangs vor einem mittelalterlichen Tableau verkündet wird, die Pest den gesamten Opernchor dahingerafft, weswegen dieser nur aus Lautsprechern zum Publikum singt. Und wenn es zur Annäherung kommt zwischen der Edel-Kurtisane Violetta Valéry und Alfredo Germont, so trennt die Liebenden eine hygienekompatible Plexiglaswand.

Der Beginn ist eine gelungene Irritation: Bußprediger und Flagellanten bevölkern die düstere Szenerie, in deren Mitte ein Scheiterhaufen dräuend aufragt: Stolz noch im Angesicht des Todes blickt die an den Pfahl gefesselte Frau: eine Hexe? Ist ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Werner Kopfmüller

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