Die Unvollendete
Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg hinausfinden aus der Umklammerung. Im Fall von Antje Kaiser war es stets der Weg zum Denken hin, zum Analysieren, zu diesem tief verankerten, sehnlichen Wunsch, die Realität möge eine andere, bessere sein.
2016 ist sie gestorben, viel zu früh, als Mutter einer noch sehr kleinen Tochter. Ihr, Alba Rosa Kaiser, ist jener geschmackvolle und inhaltsreiche Band gewidmet, der Leben und Wirken der 1961 im thüringischen Gotha geborenen Dramaturgin, Regisseurin und Dozentin würdigt, aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln heraus. Die Vita Kaisers machte dies zwingend notwendig. Ihre Talente waren vielfältig. Dem Studium der Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin schloss sich ein Zusatzstudium in Schauspiel- und Bewegungsunterricht an der Ernst-Busch-Hochschule an. Eine Zeitlang stand Antje Kaiser auch als ...
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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Andreas Heinzmann gibt sich selbstbewusst: «Wir imitieren nicht, wir schaffen mit den vorhandenen Instrumenten die Kontraste neu!» Heinzmann ist Künstlerischer Leiter der in den ehemaligen Ritterwerken angesiedelten Pasinger Fabrik, des – sieht man vom Gastspielhaus Deutsches Theater ab – einzigen städtischen Opernbetriebs in München und des ihn beherbergenden...
Den Brüdern Edmund und Jules de Goncourt verdanken wir nicht nur einen renommierten französischen Literaturpreis, sondern auch den Aphorismus, die Anekdote sei der Groschenbasar der Geschichte. Mit Letzterem kokettierte zweifellos Rosina Storchio (1872–1945), Puccinis erste Butterfly. Denn die Diva verkörperte bei der Uraufführung von Leoncavallos «Zazà» anno 1900...
Zazà auf der Suche nach dem Glück. Als ob sie eine Betonwand mit Sonnenlicht bemalen wollte. Sie ist étoile eines Tingeltangels in Saint-Etienne, Männer umschwirr’n sie wie Motten das Licht. Doch sie fordert aufgrund ihrer unglücklichen Kindheit ein Recht auf echte Liebe ein – die, so ihr Irrglaube, hat sie bei Milio Dufresne gefunden. Aber der bourgeoise...
