Die Unvollendete

Ein liebevoll gestalteter Band würdigt das Schaffen der 2016 verstorbenen Dramaturgin und Regisseurin Antje Kaiser

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Tolles Cover. Ungeschönt, ehrlich, direkt. Dazu erzählt es viel über diese ziemlich außergewöhnliche Frau. Der Blick ist klar, streng und doch verträumt, fast liebevoll. Um die geschlossenen Lippen spielt leise Ironie. Und beide Arme sind verschränkt, einerseits resolut, andererseits wie zum Schutz. Sie ließen sich öffnen. Und mit ihnen würde man einen Weg hinausfinden aus der Umklammerung. Im Fall von Antje Kaiser war es stets der Weg zum Denken hin, zum Analysieren, zu diesem tief verankerten, sehnlichen Wunsch, die Realität möge eine andere, bessere sein.

2016 ist sie gestorben, viel zu früh, als Mutter einer noch sehr kleinen Tochter. Ihr, Alba Rosa Kaiser, ist jener geschmack­volle und inhaltsreiche Band gewidmet, der Leben und Wirken der 1961 im thüringischen Gotha geborenen Dramaturgin, Regisseurin und Dozentin würdigt, aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln heraus. Die Vita Kaisers machte dies zwingend notwendig. Ihre Talente waren vielfältig. Dem Studium der Musik- und Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin schloss sich ein Zusatzstudium in Schauspiel- und Bewegungsunterricht an der Ernst-Busch-Hochschule an. Eine Zeitlang stand Antje Kaiser auch als ...

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Opernwelt November 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten

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