Studiobedingungen

Wie die Dresdner Philharmonie dazu kam, trotz Corona-Beschränkungen mit einer hochkarätigen Besetzung und ihrem Chefdirigenten Marek Janowski «Fidelio» aufzunehmen

Opernwelt - Logo

Ein bisschen kräftiger dürfte das espressivo schon sein. «Fülle, Fülle», ruft Marek Janowski den Streichern zu, als es zu Beginn des zweiten Akts in den Kerker geht. Und pochen soll der Rhythmus nach Florestans Verzweiflungsschrei: «Gott, welch Dunkel hier!» Mehr «Substanz» fordert der 81-jährige Maestro später von den ersten Geigen und den Bratschen. Als wolle er Rezitativ und Arie des Tenors Herztöne unterlegen, Bangen und Hoffen der in Isolationshaft gehaltenen Kreatur durch das innere Gewicht des Klangs beschreiben.

Und, Herr Elsner, die Anrufung des Allmächtigen darf gern «mit Muckis» kommen, aber bitte nicht zu früh. Christian Elsner, der Florestan – er gehört zu jener «Bombenriege», die Janowski für vier Juni-Tage in den großen Saal des Kulturpalastes gelockt hat, um mit der Dresdner Philharmonie zum Beethoven-Jubiläum «Fidelio» aufzunehmen. Seit einem Jahr ist er nun Chef des Orchesters, das mit der 2017 eröffneten Konzertstätte am Altmarkt über einen akustisch exzellenten Raum verfügt. Der Coup: Lise Davidsen singt Leonore («Das hatte ich verabredet, als noch nicht jeder Opernintendant sie kannte»), Johannes Martin Kränzle den Pizarro, Georg Zeppenfeld ist Rocco, den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Editorial August 2020

Aus Erfahrung, heißt es, wird man klug. Die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland besaßen diese in reichlichem Maße; auch wussten sie um die Gefahren, die einem politischen System drohen, welches die Freiheit nicht als ein besonders schützenswertes Gut betrachtet. Als es nach Ende des Zweiten Weltkriegs darum ging, eine würdige Verfassung zu schreiben, floss...

Zwischenruf August 2020

Eigentlich ist, spätestens mit diesem Jahr, dem 250. Geburtstag des Genies, alles gesagt, gedacht, geschrieben, geklärt. Die Causa Beethoven im Grunde abgeschlossen. Mehrere Regalkilometer füllt die Literatur über den Prometheus der Tonkunst, dessen einziges Manko es war, dass er keine gescheite Oper zu komponieren vermochte, weil seine eigene Musik zu absolut und...

Gondole und Vaporetti

Gurgelndes Wasser, Glockentöne, knarrende Planken, dieselnde Vaporetti, die Alltagspolyphonie einer Osteria, der schwimmende Sound eines Fischmarkts – sie gehören zum akustischen Weichbild Venedigs wie die Musik, die hier seit Jahrhunderten den Lebensrhythmus mitbestimmt. Andrea und Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi oder Antonio Vivaldi, selbst ein...