Zuflucht im Cyberspace

Ein Kirchenmusiker aus Salzburg und ein Theater aus Novara entwickeln Werke in digitaler Heimarbeit, ein Online-Singspiel fordert die Freilassung des in der Türkei inhaftierten Menschenrechtlers Osman Kavala, auch die Ruhrfestspiele Recklinghausen und die Musikhochschule Lübeck experimentieren mit virtuellen Formaten

Als am 1. Mai Premiere auf YouTube war, schrieben wir in unseren Corona-Zeiten den «Tag 47». Was man damals noch nicht wissen konnte: Es war ungefähr die Mitte der virusbedingten Isolationsphase. Mittlerweile nimmt das Leben wieder ein wenig Fahrt auf. In Salzburg hatte mit besagtem «Tag 47» der um Ideen nie verlegene versatile junge Regionalkantor der Evangelischen Kirche, Gordon Safari, ein besonderes Zeichen gesetzt.

Nur rund zehn Tage brauchte er mit seinen Mitstreitern, dem Regisseur Konstantin Paul, dem Digitalfachmann Michael Hofer-Lenz und vier jungen, hoch motivierten Vokalsolisten, um eine gut zwanzigminütige Kammeroper zu entwickeln, zu komponieren und als genuines Online-Werk zu realisieren, die das Thema der Stunde zu einem bemerkenswert intensiven Kunststück verdichtet: Isolation. Der Ruf aus der Einsamkeit der im «Homeoffice» Abgesonderten meidet alle Larmoyanz, macht in klaren Schnitten vielmehr deutlich, was Vereinsamung äußerlich, vor allem aber innerlich auslösen kann: von Depression bis zur Sehnsucht nach «Normalität», von Angst, Gewalt, Verlassenheit, Verzweiflung bis zu Hoffnungsschimmern. Safaris Musik bettet das Screening geschickt ein in eine elektronisch, ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Karl Harb