Zuflucht im Cyberspace
Als am 1. Mai Premiere auf YouTube war, schrieben wir in unseren Corona-Zeiten den «Tag 47». Was man damals noch nicht wissen konnte: Es war ungefähr die Mitte der virusbedingten Isolationsphase. Mittlerweile nimmt das Leben wieder ein wenig Fahrt auf. In Salzburg hatte mit besagtem «Tag 47» der um Ideen nie verlegene versatile junge Regionalkantor der Evangelischen Kirche, Gordon Safari, ein besonderes Zeichen gesetzt.
Nur rund zehn Tage brauchte er mit seinen Mitstreitern, dem Regisseur Konstantin Paul, dem Digitalfachmann Michael Hofer-Lenz und vier jungen, hoch motivierten Vokalsolisten, um eine gut zwanzigminütige Kammeroper zu entwickeln, zu komponieren und als genuines Online-Werk zu realisieren, die das Thema der Stunde zu einem bemerkenswert intensiven Kunststück verdichtet: Isolation. Der Ruf aus der Einsamkeit der im «Homeoffice» Abgesonderten meidet alle Larmoyanz, macht in klaren Schnitten vielmehr deutlich, was Vereinsamung äußerlich, vor allem aber innerlich auslösen kann: von Depression bis zur Sehnsucht nach «Normalität», von Angst, Gewalt, Verlassenheit, Verzweiflung bis zu Hoffnungsschimmern. Safaris Musik bettet das Screening geschickt ein in eine elektronisch, ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Karl Harb
JUBILARE
Jo Ann Pickens absolvierte ihre Gesangsausbildung an der North Texas State University und feierte erste Erfolge an der Lyric Opera of Chicago. Anlässlich eines Gastspiels bei den Salzburger Festspielen lernte sie Europa kennen und ließ sich kurze Zeit danach in Paris nieder, wo sie später auch an der Cité Internationale des Arts Gesang unterrichtete. Die...
Frau Leupold, lieben Sie das Chaos?
Eigentlich fürchte ich es. Aber vielleicht liebe ich es insgeheim? Und will einfach nicht lernen, wie es aus meinem Leben fernzuhalten wäre. Es ist immer um mich herum.
Welche Vorteile birgt dies? Und welche Nachteile?
Chaos kann durchaus inspirierend sein. Der Nachteil ist, dass es Lebenszeit frisst. Trotzdem fürchte ich, es...
Frau Banse, die «Winterreise» hört man normalerweise von Tenören oder Baritonen. Sie singen Schuberts berühmten Liederzyklus nicht nur, sie tanzen ihn auch. Wie geht beides zusammen?
Besser, als ich zunächst dachte. Sich gleichzeitig auf den stimmlichen Ausdruck und die Bewegung zu konzentrieren, brauchte ein bisschen Zeit. Inzwischen fühlt sich beides sehr...
