Zuflucht im Cyberspace
Als am 1. Mai Premiere auf YouTube war, schrieben wir in unseren Corona-Zeiten den «Tag 47». Was man damals noch nicht wissen konnte: Es war ungefähr die Mitte der virusbedingten Isolationsphase. Mittlerweile nimmt das Leben wieder ein wenig Fahrt auf. In Salzburg hatte mit besagtem «Tag 47» der um Ideen nie verlegene versatile junge Regionalkantor der Evangelischen Kirche, Gordon Safari, ein besonderes Zeichen gesetzt.
Nur rund zehn Tage brauchte er mit seinen Mitstreitern, dem Regisseur Konstantin Paul, dem Digitalfachmann Michael Hofer-Lenz und vier jungen, hoch motivierten Vokalsolisten, um eine gut zwanzigminütige Kammeroper zu entwickeln, zu komponieren und als genuines Online-Werk zu realisieren, die das Thema der Stunde zu einem bemerkenswert intensiven Kunststück verdichtet: Isolation. Der Ruf aus der Einsamkeit der im «Homeoffice» Abgesonderten meidet alle Larmoyanz, macht in klaren Schnitten vielmehr deutlich, was Vereinsamung äußerlich, vor allem aber innerlich auslösen kann: von Depression bis zur Sehnsucht nach «Normalität», von Angst, Gewalt, Verlassenheit, Verzweiflung bis zu Hoffnungsschimmern. Safaris Musik bettet das Screening geschickt ein in eine elektronisch, ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 56
von Karl Harb
Roderick Williams
Sein Bühnendebüt gab er noch während des Studiums in einer düsteren Rolle – als Tarquinius in «The Rape of Lucretia». Bis heute bilden die Werke Brittens einen Schwerpunkt in seinem Repertoire. Aber auch als Liedsänger ist der englische Bariton mit walisisch-jamaikanischen Wurzeln überaus gefragt. Zeit für ein Gespräch
Helga Rabl-Stadler, Markus...
Als Julius Cyriax 1855 eine Aufführung von Wagners «Tannhäuser» sah, war’s um ihn geschehen: Mit Inbrunst verehrte der gerade 15-jährige Kaufmannssohn aus Gotha den Meister. Und dabei blieb es, sein Leben lang. Zu gern wäre er selbst Musiker geworden! Doch sein Vater wollte den Jungen in den eigenen Fußstapfen sehen. Also lernte der das Geschäft, ging 1858 erst...
«Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928 in «Saison», und Joachim Kaiser zitiert ihn fast verschämt zu Beginn seines «Kleinen Theatertagebuchs» (1965), um danach eine subtile Analyse eben jener Gefallsucht folgen zu lassen. Kritiker seien eitel, weil ihr Tun sie dazu bringe und zwinge, «wohlerworbenen...
