Einfach atmen
Draußen zwitschern die Vögel, drinnen ertastet einsam ein Klang das Terrain. Schwebt samten umher, umgarnt das Ohr, verdichtet sich zu märchenhaft-mystischem Gebilde, nimmt zarte, aber konsistente Gestalt an: magischer Lichtstrahl aus einzelnen Tönen, transzendiert zu luftigem Idyll. Hört man das Lied «Sunrise» von Charles Ives bei geöffnetem Fenster, dann wird die ungeheure Aura der Natur sogar in den eigenen vier Wänden spürbar. Die Welt erscheint als ungefähr, vage, schemenhaft, nur noch dieser milde, fragile, zauberische Klang füllt den Raum.
Und imaginiert mit sparsamsten Mitteln jenes «Licht tief unten im Osten«, das anmutet «wie ein Gedanke, ein vergessener, der wiederkehrt». Ein extrem intensives Stimmungsbild ist dieses Lied; in seiner feinnervig-fragmentarischen Klanglichkeit gemahnt es an Weberns wunderbare Gespinste, aber auch an Debussy oder den frühen Schönberg der «Verklärten Nacht». Und doch ist «Sunrise» unverwechselbar eine Schöpfung von Ives, darin die Einflüsse von Ralph Waldo Emersons Transzendentalismus und Henry Thoreaus smarter Naturphilosophie deutlich hervortreten.
114 Lieder schrieb Ives. Doch kaum eines davon wurde je bekannt – einfach deswegen, weil ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: CD des Monats, Seite 31
von Jürgen Otten
arte
02.08. – 16:00 Uhr
Das große Welttheater – Salzburg und seine Festspiele
Im 100. Jahr des Festivals gewährt der szenische Dokumentarfilm von Beate Thalberg einen Blick auf die Dramen und unbekannten Ereignisse, die sich hinter der Bühne abspielten. Von ihrer Gründung 1920 über den künstlerischen Widerstand nach Hitlers Machtergreifung und den Neustart 1945 bis...
Gurgelndes Wasser, Glockentöne, knarrende Planken, dieselnde Vaporetti, die Alltagspolyphonie einer Osteria, der schwimmende Sound eines Fischmarkts – sie gehören zum akustischen Weichbild Venedigs wie die Musik, die hier seit Jahrhunderten den Lebensrhythmus mitbestimmt. Andrea und Giovanni Gabrieli, Claudio Monteverdi oder Antonio Vivaldi, selbst ein...
Ungewohntes Bild: Quer durch den Zuschauerraum erstreckt sich eine ausgedehnte Sitzmöbellandschaft. Sämtliche Stuhlreihen sind abgebaut, die Besucher dürfen es sich auf ausrangierten Stoffsofas, Ledercouches und kissenbestückten Gartenbänken bequem machen. Um den vorgeschriebenen Mindestabstand zu garantieren, wurde die Zahl der Plätze im Kleinen Haus des...
