Querdenker

Udo Bermbachs Analyse der Programmhefte Neu-Bayreuths zeichnet die geistige Entwicklung der Festspiele zwischen 1951 und 1976 nach

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Wir befinden uns in einem Hörsaal der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, in den 1990er-Jahren. Der Professor, auf dessen Lehrplan Kant und Machiavelli stehen sollten, doziert darüber, wie sich der Mythos mit seinem Drang der wiederholenden Erzählung kollektiver Erfahrungen und die lineare Geschichtsschreibung unterscheiden. Er erklärt Richard Wagners Übersetzung des Mythos im Musikdrama und schwärmt in Parenthesen schon mal von legendären Sängerdarstellern des Hans Sachs.

Spätestens jetzt steigt der offizielle Teil seiner Studierenden aus – und der andere spitzt die Ohren. Denn in den Saal hat sich auch eine Schar von angehenden Musikwissenschaftlern geschlichen, die einem Geheimtipp gefolgt ist. Da gebe es einen Professor weit außerhalb des eigenen Fachs, der habe zu Wagner Erhellenderes zu sagen als die Fachleute der Musikologie. Udo Bermbachs seitdem erschienene Bücher machten ihn zu einem der gefragtesten Wagner-Experten, der mit uneitler Verve sein Bild vom anarchistischen, dem Geist der Revolution stets treu gebliebenen Komponisten vertritt. Er stand Jürgen Flimm bei der Bayreuther Inszenierung der «Ring»-Tetralogie zur Seite, hat sich neben der distanzierten ...

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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 15
von Peter Krause

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