Querdenker
Wir befinden uns in einem Hörsaal der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, in den 1990er-Jahren. Der Professor, auf dessen Lehrplan Kant und Machiavelli stehen sollten, doziert darüber, wie sich der Mythos mit seinem Drang der wiederholenden Erzählung kollektiver Erfahrungen und die lineare Geschichtsschreibung unterscheiden. Er erklärt Richard Wagners Übersetzung des Mythos im Musikdrama und schwärmt in Parenthesen schon mal von legendären Sängerdarstellern des Hans Sachs.
Spätestens jetzt steigt der offizielle Teil seiner Studierenden aus – und der andere spitzt die Ohren. Denn in den Saal hat sich auch eine Schar von angehenden Musikwissenschaftlern geschlichen, die einem Geheimtipp gefolgt ist. Da gebe es einen Professor weit außerhalb des eigenen Fachs, der habe zu Wagner Erhellenderes zu sagen als die Fachleute der Musikologie. Udo Bermbachs seitdem erschienene Bücher machten ihn zu einem der gefragtesten Wagner-Experten, der mit uneitler Verve sein Bild vom anarchistischen, dem Geist der Revolution stets treu gebliebenen Komponisten vertritt. Er stand Jürgen Flimm bei der Bayreuther Inszenierung der «Ring»-Tetralogie zur Seite, hat sich neben der distanzierten ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 15
von Peter Krause
Roderick Williams
Sein Bühnendebüt gab er noch während des Studiums in einer düsteren Rolle – als Tarquinius in «The Rape of Lucretia». Bis heute bilden die Werke Brittens einen Schwerpunkt in seinem Repertoire. Aber auch als Liedsänger ist der englische Bariton mit walisisch-jamaikanischen Wurzeln überaus gefragt. Zeit für ein Gespräch
Helga Rabl-Stadler, Markus...
Wer in diesem Sommer nach Bayreuth kommt, muss auf Musik nicht verzichten, nicht mal auf die von Richard Wagner. In Wahnfried, seiner ehemaligen Villa, in der Stadtkirche oder an der frischen Luft in der Wilhelminenaue: Überall finden vor kleinem Publikum Konzerte statt. Unter dem Titel «Summertime Bayreuth 2020» hat die um ihre Touristen fürchtende Stadt in...
«Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928 in «Saison», und Joachim Kaiser zitiert ihn fast verschämt zu Beginn seines «Kleinen Theatertagebuchs» (1965), um danach eine subtile Analyse eben jener Gefallsucht folgen zu lassen. Kritiker seien eitel, weil ihr Tun sie dazu bringe und zwinge, «wohlerworbenen...
