Strauss: Salome

Mannheim

Opernwelt - Logo

Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titel­figur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die leidenschaftlichen Akzente und subtil irisierenden Zwischentöne in Strauss‘ Salome-Musik wecken ohnehin andere Vorstellungen.


Rechs Salome ist Opfer einer dekadenten Gesellschaft, an deren Gleichgültigkeit sie leidet, Opfer ihrer lüsternen Mutter, einer skrupellosen Machtpolitikerin, und vor allem ihres Stiefvaters, eines in Angst lebenden Neurotikers und geilen Despoten, der sie seit ihrer Kindheit unaufhörlich belästigt. Rech verzichtet auf den Tanz der sieben Schleier. Stattdessen betritt ein kleines Mädchen in Brautkleid (das Kind Salome) die Bühne; Herodes nimmt es auf den Schoß und vergreift sich an ihm. Salome will ausbrechen aus dieser Umgebung, sehnt sich nach Liebe, hofft auf Erfüllung bei Jochanaan. Dieser vermag aber mit ihrer zügellosen, verzweifelten Erotik nicht umzugehen, und sie begreift seine religiöse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Gábor Halász

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Blutrausch

Da wächst ein großes Talent heran: Antony Hermus, seit einem Jahr GMD in Hagen. Der junge Dirigent imponierte mit «Elektra», ließ trotz kompakter Klang­attacken Raum für Steigerungen, differenzierte klug diesen «blutigen» Klangrausch, hellte zumal die wenigen «friedlichen» Momente wunderbar wie lyrisch-lichte Schneisen im mythosbeladenen Dunkel auf. Das Hagener...

Geschichten aus dem Dunkel der Vorstädte

Es gibt viele Möglichkeiten, dem Leben mittels der Kunst zu entfliehen. Der Tango ist gewiss eine davon. Zunächst, und das ist kein Einspruch, nur ein Hinweis: Tango, das ist vieles, vieles Unsagbare. Aber eines vor allem ist der Tango immer gewesen: der (getanzte) Einspruch des Subjektes gegen die Welt. Und sei dieser Einspruch noch so prekär, noch so ordinär. Für...

Elegie für reife Liebende

Es klingt alles so überlegen, wohldisponiert und kenntnisreich. Kein inszenierter Event, sondern eine Geschichte mit Geschichte, eine in der alles zusammenpasst. Lange hat sich Edita Gruberova Zeit gelassen für die Partie der Norma. Hat sich in konzertanten Aufführungen an die schwerste aller Bellini-Rollen he­rangetastet, erst in Tokio, dann in Wien und...