Strauss: Salome

Mannheim

Opernwelt - Logo

Von ihrer Dramaturgie her kann der «Salome»-Neuinszenierung des Mannheimer Nationaltheaters ohne weiteres zugestimmt werden. Gabriele Rech überfrachtet die Vorlage nicht durch weit hergeholte Assoziationen. Zentraler Ansatzpunkt: Die Titel­figur ist kein sexbesessenes männermordendes Ungeheuer. Im Text ist bekanntlich keine Rede vom sadistischen Monster, und die leidenschaftlichen Akzente und subtil irisierenden Zwischentöne in Strauss‘ Salome-Musik wecken ohnehin andere Vorstellungen.


Rechs Salome ist Opfer einer dekadenten Gesellschaft, an deren Gleichgültigkeit sie leidet, Opfer ihrer lüsternen Mutter, einer skrupellosen Machtpolitikerin, und vor allem ihres Stiefvaters, eines in Angst lebenden Neurotikers und geilen Despoten, der sie seit ihrer Kindheit unaufhörlich belästigt. Rech verzichtet auf den Tanz der sieben Schleier. Stattdessen betritt ein kleines Mädchen in Brautkleid (das Kind Salome) die Bühne; Herodes nimmt es auf den Schoß und vergreift sich an ihm. Salome will ausbrechen aus dieser Umgebung, sehnt sich nach Liebe, hofft auf Erfüllung bei Jochanaan. Dieser vermag aber mit ihrer zügellosen, verzweifelten Erotik nicht umzugehen, und sie begreift seine religiöse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 53
von Gábor Halász

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mozart von hinten

Hätten Sie erraten, mit welcher Oper Cagliari zur Sai­son­eröffnung den Jahresregenten Mozart feiert? Unwahrscheinlich. Es ist eine italienische Erstaufführung: der «Chérubin» von Jules Massenet, uraufgeführt 1905 in der Opéra von Monte Carlo. Eine verdienstvolle Ausgrabung, zumal in einer so guten und witzigen Wiedergabe.
Es ist eine Mozart-Ehrung von hinten...

Vom Varieté auf die Couch

Zwischen Farce und Drama liegt manchmal nur ein ­Augenblick. Ist die Stimmung gerade noch heiter überdreht, funkt plötzlich das böse Schicksal dazwischen und bringt alles auf Tragödienkurs. Die Lacher verstummen, die Mienen verdunkeln sich. Die Lust am schrillen Unsinn schlägt jäh in depressiven Tiefsinn um. Und doch kommt die Nähe des scheinbar Disparaten nicht...

Orlando

Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wie­deraufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...