Mozart von hinten
Hätten Sie erraten, mit welcher Oper Cagliari zur Saisoneröffnung den Jahresregenten Mozart feiert? Unwahrscheinlich. Es ist eine italienische Erstaufführung: der «Chérubin» von Jules Massenet, uraufgeführt 1905 in der Opéra von Monte Carlo. Eine verdienstvolle Ausgrabung, zumal in einer so guten und witzigen Wiedergabe.
Es ist eine Mozart-Ehrung von hinten (analog zu Schönbergs berühmtem Selbstporträt).
Wer erinnert sich nicht an den halbwüchsigen «Farfallone amoroso», den Figaro in seiner ironischen Arie verhöhnt, weil er allen, von der kleinen Barbarina über Figaros Braut Susanna bis zur gräflichen Patin, den Hof macht? Bei Mozart und Da Ponte verkörpert er die jugendlich bedenkenlose Spielart der Liebe. In der Trilogie von Beaumarchais («Le Barbier de Seville», «Le mariage de Figaro», «La Mère coupable»), viel aggressiver als Rossini und Mozart zusammen, taucht noch einmal die Erinnerung an den amourösen Pagen auf. In «La Mère coupable» (die schuldige Mutter) liest der Graf seinen Abschiedsbrief: Cherubino/Chérubin hat sich nach der Geburt des illegitimen Sohns, den er mit der Gräfin gezeugt hat, umgebracht. Die Frage stellte sich: Was geschah mit Cherubino nach der ...
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Die Schlachten waren längst geschlagen, und in Erinnerung blieben die Momente der Überwältigung. «Ja, so ein sieghaftes hohes C, wie’s die Mali gehabt hat, bleibt in Herz und Ohr», schrieb Hans Richter, der erste «Ring»-Dirigent, an Amalie Materna, Wagners Brünnhilde von 1876. Der Brief stammt aus dem Jahr 1911. Da hatte Materna ihre Karriere schon fast zwanzig...
Erfahrungen mit historischer Aufführungspraxis kommen bei der Dresdner Staatskapelle bislang nur sporadisch zum Zuge. Einzelne der immerhin sechs Mozart-Produktionen im Repertoire der Semperoper sind daher trotz der viel gerühmten Spielkultur der Staatskapelle von durchaus behäbiger Konventionalität. Gemessen daran bietet der neue Dresdner «Figaro» manche...
«Wehe der Zeit, die keine Helden hat», klagt Galileos Lieblingsschüler. Und der Meister flüstert ihm zu: «Wehe der Zeit, die Helden nötig hat». Dann wendet er sich zu Tisch, weil er, der von der Inquisition überwachte, verachtete und gebrochene Wissenschaftler, immer noch gern isst. So endet Michael Jarrells Oper «Galilée», ein Werk, im Auftrag des Genfer Grand...
