Strauß: Die Fledermaus
Es muss ja nicht gleich alles auf silvestertaugliche Nostalgiebilder hinauslaufen, die Strauß’ «Fledermaus»-Phantasmagorie aus der Spätphase der k. u. k.-Monarchie zur seligen Walzerparade verharmlosen, wenn der in Polka, Galopp und Dreischritt eingeschriebene Hintersinn des Stücks auf der Bühne Gestalt annehmen soll. Jene morbide Wiener Sozietät der Eisensteins, Falkes, Orlofskys & Co., die in souverän gespielter Heiterkeit und elegant maskiert am Abgrund taumelt bzw. auf dem Vulkan tanzt.
Jenes aus allen Ritzen des Librettos und der Musik drängende süße Gift, das die bürgerliche «Sitte» zugunsten allfälliger Libertinage außer Kraft setzt: Chacun à son goût. Aber man muss das champagnerselige Treiben auch nicht gleich ruhig stellen, um die Nachtseiten dieses «irrwitzigen Trugspiels» (Volker Klotz) in den Blick zu rücken.
Dass Entschleunigung im Fall der «Fledermaus» weniger zu kritischer (Selbst-) Erkenntnis als zu gepflegter Langeweile führt, hat Joachim Schlömer nun in Bonn vorgeführt. Bei seinem ersten Operetten-Regieversuch lässt er den ersten Akt vor einem knallroten, geschlitzten Hochflorteppich (Bühne: Jens Kilian) spielen, aus dem bald Alfred in Puszta-Outfit (bemüht: ...
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