Strauß: Die Fledermaus
Es muss ja nicht gleich alles auf silvestertaugliche Nostalgiebilder hinauslaufen, die Strauß’ «Fledermaus»-Phantasmagorie aus der Spätphase der k. u. k.-Monarchie zur seligen Walzerparade verharmlosen, wenn der in Polka, Galopp und Dreischritt eingeschriebene Hintersinn des Stücks auf der Bühne Gestalt annehmen soll. Jene morbide Wiener Sozietät der Eisensteins, Falkes, Orlofskys & Co., die in souverän gespielter Heiterkeit und elegant maskiert am Abgrund taumelt bzw. auf dem Vulkan tanzt.
Jenes aus allen Ritzen des Librettos und der Musik drängende süße Gift, das die bürgerliche «Sitte» zugunsten allfälliger Libertinage außer Kraft setzt: Chacun à son goût. Aber man muss das champagnerselige Treiben auch nicht gleich ruhig stellen, um die Nachtseiten dieses «irrwitzigen Trugspiels» (Volker Klotz) in den Blick zu rücken.
Dass Entschleunigung im Fall der «Fledermaus» weniger zu kritischer (Selbst-) Erkenntnis als zu gepflegter Langeweile führt, hat Joachim Schlömer nun in Bonn vorgeführt. Bei seinem ersten Operetten-Regieversuch lässt er den ersten Akt vor einem knallroten, geschlitzten Hochflorteppich (Bühne: Jens Kilian) spielen, aus dem bald Alfred in Puszta-Outfit (bemüht: ...
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Mit seinen Opern verfuhr Georg Friedrich Händel pragmatisch: Wenn für eine Wiederaufnahme die Sängerbesetzung gewechselt hatte, zögerte er nicht, das ganze Werk auf deren Stärken und Schwächen hin neu zuzuschneiden. Zwölf neue Arien schrieb er, als seine erste Londoner Seria «Radamisto» Ende Dezember 1720, nur ein halbes Jahr nach der umjubelten Premiere, wieder...
Es spricht für die künstlerische Qualität der kooperationsfreudigen Sächsischen Staatsoper, wie gründlich andernorts bereits vorgestellte Produktionen für die Dresdner Premiere überarbeitet werden. So geschah es Ende der letzten Saison mit Adriana Hölszkys Bachmann-Oper «Der gute Gott von Manhattan», die in der Semperoper weitaus eindringlicher wirkte als zuvor...
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