«Strandläufer am Meer der Ewigkeit»

Heinz Holligers Lenau-Klangbiografie «Lunea»

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Heinz Holligers zweites abendfüllendes Musiktheaterwerk «Lunea» wurde am 4. März 2018 am Opernhaus Zürich uraufgeführt und in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Nachgespielt – das Schicksal vieler Uraufführungen selbst prominenter Komponisten – wurde es bis heute nicht. Es ist eine Großtat Manfred Eichers, nach Holligers erster Oper «Schneewittchen» und zahlreichen weiteren Werken des Elder Statesman der Schweizer Musik jetzt auch den Mitschnitt der Züricher «Lunea»-Premiere bei ECM zu veröffentlichen.

«Lenau-Szenen in 23 Lebensblättern» nennt Holliger das Stück im Untertitel. «Lunea» ist ein Anagramm des spätromantischen österreichischen Lyrikers Nikolaus Lenau, der mit irritierender Rastlosigkeit wie Euphorie seine biedermeierliche Umwelt herausforderte, im September

1844 einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch erlitt – in «Lunea» als «Riss» beschworen – und 1850 nach jahrelangem Delirium starb. Wie Hölderlin, Trakl und Robert Walser, die in Holligers Schaffen eine so zentrale Rolle spielen, ist auch Lenau ein – so singt er es in «Lunea» selbst – «Strandläufer am Meer der Ewigkeit», ein an den Rand des Daseins Gedrängter, dessen ...

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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 46
von Uwe Schweikert

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