Seelen-Sucherin
Das Buch ist eine Zumutung. Doch wer es nicht gelesen hat, ahnt womöglich nur in Teilen, was Schmerz bedeutet, der Verlust von Hoffnung, Liebe, Glauben. Und nein, Cesare Paveses «Handwerk des Lebens» macht seinem Titel keine Ehre, im Gegenteil. Dieses Tagebuch eines Lebensmüden erzählt von den Abgründen der Existenz, die überall lauern, nicht selten auch in uns selbst, verborgen unter der Haut, mit Wohnsitz in Nähe der Seele (und sei diese nur Teil jener fantastischen Kombination aus 100 Milliarden Neuronen, die durch unseren Kopf flitzen), dem Hauptsitz unseres Unterbewusstseins.
Dort haust der Schmerz, in einer winzigen Dunkelkammer, und Pavese hat ihn beschrieben wie kein Zweiter. «Der Schmerz ist etwas Bestialisches und Wildes, banal und umsonst, naturgegeben wie die Luft. Er ist unangreifbar, entzieht sich jedem Zugriff und jedem Kampf; er lebt in der Zeit, ist dasselbe wie die Zeit; wenn Zuckungen und Schreie kommen, dann nur, um den, der leidet, noch wehrloser zurückzulassen in den Augenblicken, die folgen werden, in den langen Augenblicken, in denen man noch einmal die vergangene Qual auskostet und auf die nächste wartet.»
Büchners Woyzeck würde das, wäre er imstande ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels...
Frau Willis-Sørensen, glauben Sie an Wunder?
(lacht) O ja! Schauen Sie nach draußen, die Natur ist der beste Beweis dafür: Nach einem Winter kommt der Frühling. Und solche kleinen Wunder passieren täglich, sie helfen uns, nicht so hoffnungslos durch die Welt stolpern zu müssen.
Müssen die Wunder religiöser Natur sein, oder dürfen es auch einfach nur Wunder der...
Gefiel nicht», ist auf dem Theaterzettel der Mannheimer Erstaufführung von Mozarts «Così fan tutte» vom 12. Mai 1793 vermerkt. Mozarts gewagteste Oper wurde von den Zeitgenossen in moralische Sippenhaft genommen für ein frivoles Libretto, bei dem, so Paolo Mezzacapo de Cenzo, «nichts durch die Blume, sondern alles durchs Geschlecht gesagt» ist. Selbst als die...
