Buch des Monats: Erfüllte und unerfüllte Sehnsucht
Es gibt dieses Bild. Ein Ölgemälde, gemalt hat es Paul von Joukowsky, ein Freund der Familie, im Jahre 1880. Es zeigt die Porträtierte, vor historisierend anmutender Samtportiere, in einem kostbaren Maharadscha-Gewand, als würdevolle Fürstin. Die Haltung ist stolz, der Blick offen, klar, direkt, wenngleich: eine Spur festgehalten, wie der strenge Mittelscheitel, den sie noch im hohen Alter trug; vermutlich war Cosima Wagner während der Sitzungen, die sie in die Rolle der handlungslos-schweigsamen Frau zwangen, doch ein bisschen beklommen bei.
Das Stolze, Erhabene ihrer Erscheinung aber wird sichtbar. Und genau das hatte Richard Wagner im Sinn, als er dieses Prachtgewand eigens für seine Gattin anfertigen ließ, 1878 in Leipzig – durchaus anspielungsreich, wie sein Scherz verrät, das Porträt als «Stabat mater colorosa» zu bezeichnen, und ebenso ein Tagebucheintrag Cosimas: «R. sagt, mein Gewand sei eines, wie Alexander es getragen, nachdem der Dareios besiegt.» Cosima Wagner als Kriegerin, mit männlicher Attitüde? Es gibt Charakterisierungen, die dergleichen nahelegen. Eine «Herrin des Hügels» hat man sie genannt, eine «Gralshüterin». Niemand ist vor dem Urteil der Nachwelt sicher, ...
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Opernwelt September/Oktober 2022
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 51
von Jürgen Otten
Sie waren füreinander geschaffen – als Schwester und Bruder, in platonischer Zuneigung verbunden, nie jedoch als Traumpaar à la Sieglinde und Siegmund. Fanny und Felix Mendelssohn bildeten zeitlebens ein nicht nur munter-vergnügtes, sondern darüber hinaus auch innig miteinander verbandeltes Geschwistergespann. Und glaubt man den brieflichen Äußerungen, die zwischen...
Herzog Blaubarts Burg
Die Frau, der Mann: Was soll man meckern?
Er alt, sie jung, er: sehr allein.
Die Burg: sehr kalt, es zieht herein.
Doch sie, sie meint: «Auf deinen Äckern
Zieh’n wir nun hin, lass uns jetzt spüren,
Was Liebe kann – und wie sie geht!»
Er sagt: «Okay!», sie wird konkret:
«Zeig mir, mein Schatz, nun alle Türen!»
Tür eins bis vier: nur Sadumuso.
...
Unter den zahllosen berühmten Arien aus Georg Friedrich Händels Opern und Oratorien ist sie vielleicht die berühmteste; fast jede Gesangsstudentin und jeder Counter mit Sopranstimme hat die Noten von «Ombra mai fu» irgendwann während ihrer (respektive seiner) Ausbildung auf dem Pult gehabt – einmal, weil dieses zauberhaft-versonnene Schattenstück aus Händels...
