Strahlen eines unbekannten Sterns
Der Dichter sprach. Und er sprach in höchsten Tönen – von einem Komponisten, dessen Œuvre nur einem engeren Expertenkreis wirklich grundlegend bekannt, dessen Rang auch deswegen in der Musikgeschichte bis heute umstritten ist.
Für Marcel Proust, der in seinem Hauptwerk «À la recherche du temps perdu» hinlänglich seine Affinität zur Musik bekannte, bestand diesbezüglich kein Zweifel; für ihn war Camille Saint-Saëns ein «Herrscher über die Geister der Musik und des Gesangs«, ein Künstler, der «über alle Geheimnisse gebietet, selbst über das, jedem drohenden Annäherungsversuch rechtzeitig durch Flucht zu entkommen, immer unfassbar zu sein», kurz: ein Chamäleon, das sich auch in musikästhetischer Hinsicht kaum unter einen Hut zwängen lässt.
Klaus Heinrich Kohrs, renommierter Musikwissenschaftler mit veritabler Bruckner-Neigung und aus -gewiesener Kenner der französischen Musik (insbesondere der Opern des 19. Jahrhunderts von Berlioz und Meyerbeer bis Bizet und Massenet), hat nun im Wolke Verlag einen scharfsichtigpointierten Essay vorgelegt, der einiges Licht ins Dunkel bringt und sich anhand exzellenter Werkexpertisen dem «Phänomen» Saint-Saëns nähert. Überschrieben ist der schmale, ...
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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Virginie Germstein
Schnee liegt im Winter auf den Bergen rund um Erl, Schnee liegt auch auf der Bühne der Tiroler Festspiele, inmitten von allerlei brüchigem Mobiliar. Die kosmische Ordnung ist zertrümmert, der Frühling kehrt nicht wieder – so erzählt es Nikolai Rimski-Korsakow in «Snegurotschka», seit Mutter Frühling und Väterchen Frost miteinander das titelgebende «Schneeflöckchen»...
Was hat man nicht alles versucht für den Schluss von Puccinis letzter, unvollendeter Oper, in berechtigter Unzufriedenheit über das ruppig kurze Schlussduett von Franco Alfano? Ihn neu komponieren zu lassen von Luciano Berio, dessen stilistische Gratwanderung (2002) auch nicht recht befriedigen wollte; ihn, was in jüngerer Zeit häufiger probiert wurde, ganz...
Der Mann hatte viele Talente. Fast zu viele, um sich zu entscheiden. Doch Günter Henle, Nachfahre einer jüdischen Familie, die, um antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, zum katholischen Glauben übergetreten war, machte aus der «Not» eine Tugend: Er vereinte die Begabungen und reüssierte erst als Diplomat, dann als Industrieller und schließlich als Verleger. Für...
