Stimmpanoramen

Parnassus verewigt Porporas «Germanico in Germania», Naïve führt die Vivaldi-Edition mit «Dorilla in Tempe» fort

Opernwelt - Logo

Einzelarien aus dem umfangreichen Opernschaffen Nicola Porporas fehlen auf kaum einem Album mit Werken aus der Kastraten-Ära. Umso neugieriger durfte man sein, ob und wie Porporas Musik ihre Wirkung auch über die Länge einer kompletten Oper hinweg entfaltet. Das Publikum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik erlebte bereits 2015 eine Aufführung des Dramma per Musica «Germanico in Germania». Nun erweist auch eine Aufnahme der auf Wiederentdeckungen spezialisierten Parnassus Arts Productions das Werk als lohnenden Fund.


Arminio, Held der gleichnamigen Händel-Oper, deren CD-Produktion Parnassus vor wenigen Jahren herausbrachte, gehört auch zu Porporas Personal, der hier die Geschichte um den germanischen Stammesfürsten Arminius und seinen Kampf gegen die Römer etwas anders erzählt als Händel und Librettist Antonio Salvi. «Germanico in Germania» entstand 1732 für das Teatro Capranica in Rom. Wie alle Opern, die in der Stadt des Papstes aufgeführt wurden, musste auch diese ohne weibliche Darsteller auskommen. Die beiden Frauenrollen wurden von Kastraten übernommen, ebenso die meisten Männerrollen; die des zwischen Römern und Germanen schwankenden Segeste fiel den Usan­cen der Zeit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Thomas Seedorf

Weitere Beiträge
Fabelhafter Irrsinn

«Was für ein buntes Publikum!», ruft Feuerwehr-Käpt’n Shaw mit Blick auf die grauen Löckchen im Saal, wo – typisch Matinee! – schaler Kaffeeatem und weihrauchlastige Parfüms die Luft verdicken. «Ich sehe das Bürgertum – und die gehobene Mittelschicht. Ein wahrer Schmelztiegel!» Die Mittelschicht jauchzt entzückt. Bissiges für alle, Sarkasmus ohne Ende: Der Ton ist...

Durch die Wüste

Zwei musiktheatralische Kurztrips durch die Wüste: Die Uraufführung «A Wintery Spring» des in Deutschland eingebürgerten jordanischen Komponisten Saed Haddad und die eine mosaische Überlieferung behandelnde Karfreitagskantate «Il serpente di bronzo» (1730) des lange in Dresden tätigen böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka. Dem extravaganten Duo diente im...

Rätselhaft klar

Festen Boden hat hier niemand unter den gründerzeitlich beschuhten Füßen. Weder die offenbar halluzinierende, taubenblau hochgeschürzte Frau, um die sich alles dreht. Noch die nachtschwarz gestrenge, am Stock gehende Gouvernante in ihrem Schlepptau. Ganz zu schweigen von jenem befrackten hohen Herrn, der sich auf den schrägen Planken mit verführerischer, meist...