Fahlfarben

Mozart: Idomeneo
Nürnberg | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Verfügen möge sie über ihn. Deutliche Beweise der Freundschaft kündigt er der Trojanischen Prinzessin gar an. Und missversteht doch den emotionalen Ausnahmezustand Ilias: Eine Vorahnung des «La ci darem la mano» blitzt da auf. Idomeneo und Ilia, auch das wäre eine Möglichkeit. Aufreizend gedacht ist das, prickelnd, und auch so inszeniert. Mehr wünscht man sich von solchen Subtilitäten, die letztlich aber Implantate bleiben in einer Aufführung, die sich Mozarts wildem, musikalisch verschwenderischen Antikendrama auf eigentümliche Weise nähert.

Apropos eigentümlich: Die Strichmännchen, die Cartoons, die Video-Animationen kennt man ja von Falko Herold. Ohne die wären David Böschs Inszenierungen nur halb so charmant.

Auch beim «Idomeneo» funktioniert das. Was bisher geschah, wer mit wem, was es auf sich hat mit den verfluchten Artriden – all dies wird am Staatstheater Nürnberg gezeigt als düstere «Sendung mit der Maus» für Erwachsene. Distanz schafft das, Ironie, manchmal passieren verzichtbare Doppelungen. Ein dunkles Märchen ist dieser «Idomeneo», der sich eher von Situation zu Situation hangelt, statt durchgehende Plausibilität zu entwickeln. Was als poetische Endzeit-Spielerei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Kritisch distanziert

Am Bielefelder Theater kümmert man sich noch liebevoll um seine Premierenabonnenten. Weil nicht jeder wissen kann, dass ein Bühnenwerk von zweieinhalb Stunden Dauer wie «Das Rheingold» ohne Pause gespielt wird (zweifelsohne eine gezielte Gemeinheit Wagners gegen die gesellschaftlichen Usancen seiner Zeit), wird an der Bar empfohlen, vor dem Ereignis schnell noch...

Faible für Abgründe

Verwandlungsfähigkeit gehört zur Berufsbeschreibung, aber nur wenige Sängerinnen gebieten darüber mit ähnlich frappierender Überzeugungskraft wie Camilla Nylund. Die Vielfalt selbst ist ihr Bühnenelixier, und wohl nie zuvor war sie so sehr in ihrem Element wie im vergangenen Jahr, als es darum ging, in einem «Tannhäuser» sowohl die Venus als auch die Elisabeth zu...

Pralles Volkstheater

Auf Martin Schüler ist Verlass: Der Intendant des Staatstheaters Cottbus macht immer «Kultur für alle», bringt im letzten verbliebenen Opernhaus des Landes Brandenburg Musiktheater so auf die Bühne, dass sowohl seine Ü65-Stammgäste als auch zwangsbeglückte Schulklassen Spaß daran haben. Mögen sich andere darüber den Kopf zerbrechen, ob man in Zeiten von #MeToo Don...