Auf in den «Ring»
Ein Sonntagmorgen in Kassel. Die Stadt liegt noch im Schlummer. Auch rund ums Staatstheater am Friedrichsplatz sind nur einige versprengte Frühjogger zu sehen. Doch in einem der Zimmer brennt Licht. Und dort empfängt, nur zehn Stunden nach der begeistert aufgenommenen Premiere von Leoš Janáčeks «Jenůfa», Francesco Angelico zum Gespräch.
Seit Beginn dieser Spielzeit ist der gebürtige Sizilianer Generalmusikdirektor in Kassel.
Er folgt auf Patrik Ringborg, der dort in zehn Jahren – schlank, zügig und zeitlos modern, zuweilen etwas uniform – vor allem das Kernrepertoire dirigierte: viel Wagner, dazu Strauss, Puccini, Mozart.
Angelicos Prioritäten sind andere. Früh hat er sich auf zeitgenössische Musik konzentriert, auch reiche Opernerfahrungen gesammelt; unter anderem war er vier Jahre lang Chef in Innsbruck, er gastiert regelmäßig an großen Häusern. Mit seiner zweiten Kasseler Premiere (nach «Andrea Chénier») demonstriert der Dirigent, der zunächst Cello studierte, um «auch die Musikerperspektive kennenzulernen», eindrucksvoll sein Können: Das Orchester klingt hinreißend differenziert, delikat, dynamisch reich gestaffelt. Das Zusammenspiel zwischen Bühne und Graben funktioniert ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Regine Müller
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