Stileinheit
Ihre Antworten sind so unmissverständlich wie ihre Art, Musik zu machen: «Es gibt keine Spezialisten und Nicht-Spezialisten, es gibt nur Stimmen, die passen, und Stimmen, die nicht passen.» Damit sind alle weiteren Fragen, warum Emmanuelle Haïm sich vor Jahresfrist für Ian Bostridge als Orfeo und nun für Rollando Villazón als Testo im «Combattimento di Tancredi e Clorinda» entschieden hat, überflüssig.
Das Ergebnis gibt ihr Recht. Wer glaubt, dass sich Villazón in Monteverdis Klangwelten ausnimmt wie ein Pfau im Innenraum des Kölner Doms, irrt.
Villazón trumpft auf, aber er übertrumpft nicht. Er singt kraftvoll, leidenschaftlich, aber auch diskret und schonend, stets mit Raffinement und in durchdachter Kongruenz mit dem mal duftig, mal kernig aufspielenden Concert d’Astrée. Auch Befürchtungen, dass sich Villazón im vokalen Zusammenspiel mit Topi Lehtipuu und der klangzaubernden Patrizia Ciofi als einsamer, dynamisch kraftstrotzender Vorkämpfer im Schlachtgetümmel erweisen würde, erfüllen sich nicht. Den Hörer erwartet vielmehr eine gelungene Synthese aus jener tenoralen Schlankheit, die sich in der Alte-Musik-Bewegung Bahn gebrochen hat, und einer selbstbewussten, selbst bei ...
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Es ist ein Kreuz mit schlechten Libretti. Sie können ganze Opern, aller musikalischen Qualitäten ungeachtet, in die Vergessenheit stoßen, und können umgekehrt – ihrer mäßigen, um nicht zu sagen schlechten literarischen und stofflichen Verarbeitung zum Trotz – manchen Meisterwerken einfach nichts anhaben. Das Textbuch zu Verdis «Trovatore» ist gewiss der letzteren...
Ein spitzwinkliges Dreieck läuft von der Spielfläche auf die knapp darunter sitzenden Orchestermusiker zu. In diesem Zipfel spielt ein Kind, schon bevor die mysteriösen Gähn- und Schlaflaute aus den tiefen Streichern ertönen, und bastelt sich langsam ein Schiffsmodell zusammen. Es ist der Lustknabe, Streitobjekt zwischen Elfenkönigin Titania und ihrem Oberon. Am...
Emmanuel Chabrier (1841-1894) ist dem Musikfreund durch die mitreißende Orchestervignette «España» und die leidlich lustige «Tristan»-Quadrille geläufig. Seine drei Jahre vor Offenbachs Tod in dessen Bouffes Parisiens uraufgeführte Opéra-bouffe «L’Étoile» (Der Stern) blieb ewiger Geheimtipp: weit über Offenbach gestellt von Debussy, 1941 ausgegraben von Desormière...
