Bewegendes Bewegungstheater
Ein spitzwinkliges Dreieck läuft von der Spielfläche auf die knapp darunter sitzenden Orchestermusiker zu. In diesem Zipfel spielt ein Kind, schon bevor die mysteriösen Gähn- und Schlaflaute aus den tiefen Streichern ertönen, und bastelt sich langsam ein Schiffsmodell zusammen. Es ist der Lustknabe, Streitobjekt zwischen Elfenkönigin Titania und ihrem Oberon.
Am Ende, nachdem er längst durch den Einsatz des Zauberkrauts dem Elfenherrscher (ein leichtes Röckchen deutet die unsichere sexuelle Identität des Countertenors an) zugefallen ist, wird er dem zur Hochzeit bereiten Herrscherpaar Theseus (Sami Luttinen) und Hippolyta (Monique Simon) zugeschlagen. Das unterstellt diesem eine sexuelle Vorgeschichte, obwohl es erst nach langem Kampf zueinander fand.
Mit solch dezenten Mitteln deutet der kanadische Regisseur David Walsh an, dass hinter Benjamin Brittens staunendem Kinderblick auf Shakespeares «Sommernachtstraum» mehr steckt, als Schulweisheit sich träumen lässt. Zu weiteren Andeutungen gibt die Düsseldorfer Inszenierung aber keinen Anlass. Auf der bescheiden von Barbara Pral mit einer großen Kiste als zentralem Versatzstück ausgestatteten Bühne des als Behelfsbühne dienenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Jenes zweigestrichene C, das Rodolfo im ersten Bild der «Bohème» gleich zweimal treffen muss, machte Luciano Pavarotti bekanntlich zum Angelpunkt der Partie, wenn nicht des ganzen Stücks. Gingen die Spitzentöne der Arie «Che gelida manina» und des Finalduetts «O soave fanciulla» daneben, sei der Rest im Grunde schon vergebliche Liebesmüh. Allein, hier irrt Big P.,...
«Ganz Köln geriet in einen wahren Taumel», schwärmte die Kölnische Rundschau vor fünfzig Jahren über die Operettenkultur des legendären Metropol-Theaters. «Die lustige Witwe» zum Beispiel sei dort in den besten Zeiten en suite 380-mal über die Bühne gegangen. Tempi passati. Wenn sich die heimische Oper letzthin ans so schwere Leichte wagte, hatte die rheinische...
Von Honoré de Balzac, einem der aufmerksamsten Chronisten des 19. Jahrhunderts, stammt eine Sentenz, die das Phänomen Bohème folgendermaßen charakterisiert: «Die Bohème hat nichts und lebt von dem, was sie hat. Die Hoffnung ist ihre Religion, der Glaube an sich ist ihr Gesetzbuch, die Wohlfahrt gilt ihr als Budget. Alle diese jungen Menschen sind größer als ihr...
