Sternstunden im Doppelpack
Jeweils zwei Live-Aufnahmen von «Fidelio» und «La Bohème» stellen die West Hill Radio Archives in klanglich überzeugend restaurierten Live-Mitschnitten aus der Metropolitan Opera gegenüber.
Die beiden «Fidelio»-Aufführungen von 1941 und 1951 wurden von Bruno Walter dirigiert, identisch war auch die Besetzung der Leonore mit Kirsten Flagstad. In dem dazwischenliegenden Jahrzehnt hat sich in der Auffassung des Dirigenten von diesem Werk nichts Wesentliches geändert.
Trotz flüssiger Tempi und schlanken Orchesterklangs scheut Walter in beiden Aufführungen ein heute zeitbedingt anmutendes Pathos nicht, wobei die Sänger in den gesprochenen Dialogen noch stärkeren Gebrauch vom Vibrato machen als beim Singen.
Spannender ist die erste Version, zumindest, wenn man den Weltkriegshintergrund mitdenkt und sich vorstellt, wie hier ein Ensemble von Emigranten einer Leonore gegenübersteht, die mit einem Nazi-Sympathisanten verheiratet war. Die Kerkerszene ist von beklemmender Spannung, auch wenn das Gemenge von norwegischem, belgischem und ukrainischem Akzent stellenweise unfreiwillig komisch wirkt. Flagstad singt Leonore mit gloriosem Ton und unaufgesetztem Ausdruck. René Maison ist, einer ...
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