Sternstunden im Doppelpack
Jeweils zwei Live-Aufnahmen von «Fidelio» und «La Bohème» stellen die West Hill Radio Archives in klanglich überzeugend restaurierten Live-Mitschnitten aus der Metropolitan Opera gegenüber.
Die beiden «Fidelio»-Aufführungen von 1941 und 1951 wurden von Bruno Walter dirigiert, identisch war auch die Besetzung der Leonore mit Kirsten Flagstad. In dem dazwischenliegenden Jahrzehnt hat sich in der Auffassung des Dirigenten von diesem Werk nichts Wesentliches geändert.
Trotz flüssiger Tempi und schlanken Orchesterklangs scheut Walter in beiden Aufführungen ein heute zeitbedingt anmutendes Pathos nicht, wobei die Sänger in den gesprochenen Dialogen noch stärkeren Gebrauch vom Vibrato machen als beim Singen.
Spannender ist die erste Version, zumindest, wenn man den Weltkriegshintergrund mitdenkt und sich vorstellt, wie hier ein Ensemble von Emigranten einer Leonore gegenübersteht, die mit einem Nazi-Sympathisanten verheiratet war. Die Kerkerszene ist von beklemmender Spannung, auch wenn das Gemenge von norwegischem, belgischem und ukrainischem Akzent stellenweise unfreiwillig komisch wirkt. Flagstad singt Leonore mit gloriosem Ton und unaufgesetztem Ausdruck. René Maison ist, einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zu den wichtigsten Aktivposten der Ära Zehelein an der Stuttgarter Staatsoper gehörte die 1997 institutionalisierte «Junge Oper», deren Absicht es ist, Kinder und Jugendliche spielerisch an das Musiktheater heranzuführen. Albrecht Puhlmann hat die Einrichtung seines Vorgängers übernommen. Barbara Tacchini, die neue Leiterin des kleinen Teams, lässt alles beim...
So richtig freuen kann er sich nicht, der König. Obwohl sein Sohn Idamante dank des deus ex machina, der in Freiburg vom Chor und nicht – wie bei Mozart – von einem Bass gesungen wird, sein Leben behält. Der abgedankte König wendet sich ab von der Spielfläche und wirft einen imaginären Stein flach ins Publikum – das war’s dann also. Keine abgeschlagenen...
In seinen zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichten Memoiren kommt Giovanni Pacini (1796-1871) auf den bestimmenden Einfluss Gioacchino Rossinis zu sprechen und macht sich mit einem Stoßseufzer Luft: «Alle folgten dem großen Stern, aber guter Gott! Was sollte man tun, wenn man sonst keine Möglichkeit hatte, sich über Wasser zu halten!»
Siebzig Opern hat der aus...
