Viel Kompetenz, wenig Passion
In seinen zwei Jahre vor seinem Tod veröffentlichten Memoiren kommt Giovanni Pacini (1796-1871) auf den bestimmenden Einfluss Gioacchino Rossinis zu sprechen und macht sich mit einem Stoßseufzer Luft: «Alle folgten dem großen Stern, aber guter Gott! Was sollte man tun, wenn man sonst keine Möglichkeit hatte, sich über Wasser zu halten!»
Siebzig Opern hat der aus der Toscana stammende, in Sizilien geborene Pacini in mehr als einem halben Jahrhundert geschrieben, davon ist nach seinem Tode allenfalls «Saffo» noch gelegentlich auf italienischen Bühnen erschienen.
Er war ein mit allen Wassern gewaschener Theaterkomponist, dessen melodischer Einfallsreichtum außer Frage steht, aber er hat zu keiner eigenen, unverwechselbaren Handschrift gefunden. Zu leicht ging dem oft als «maestro delle cabalette» bezeichneten Musiker das Schreiben von der Hand.
Doch im Zuge der anhaltenden Belcanto-Renaissance wurden in den letzten Jahren auch einige seiner unbekannten Opern zumindest konzertant wieder ausgegraben, und die Musikwissenschaft einigte sich darauf, in ihm nicht nur einen bedeutenden Nachahmer Rossinis, sondern zugleich einen wichtigen Wegbereiter Verdis zu erkennen. Besonders seine ...
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