Sternstunde eines «Stück-Werks»
Stück-Werk» hieß das Ziel, das der Stuttgarter Opern-Intendant Klaus Zehelein 1997 ausgab, nachdem er sich mit dem für die geplante Neuinszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» vorgesehenen Regisseur Johannes Schaaf zerstritten hatte und eine andere Lösung suchte. Dass das Ganze das Unwahre sei, hatte er einst bei Adorno gelernt. «Wagners Arbeit am Ring», so die zentrale Aussage seines Konzepts, «zeugt von der Obsession des Denkens des wahren, geschlossenen Ganzen ebenso wie von der Erfahrung, dass aus den Stücken nie ein Ganzes, Geschlossenes geschaffen wird».
Garant für diese Hinterfragung, ja Dekonstruktion der Totalität, die die Brüche und Narben von Wagners Gesamtkunstwerk an der Wende zum 21. Jahrhundert offenlegen wollte, sollte die Verpflichtung von vier verschiedenen Regieteams sein. Das «Ganze» mussten sich die Zuschauer selbst zusammensetzen. Trotz des Medien- und Publikumserfolgs wurde es ein «Stück-Werk» im doppelten Wortsinn, weil zwei der vier Teile («Rheingold» und «Walküre») an der analytisch-visionären Durchdringung der Partitur scheiterten – und doch war es ein weit nachwirkender Paradigmenwechsel, der in der jüngsten Geschichte der «Ring»-Inszenierungen nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 12 2022
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Uwe Schweikert
Die Dame darf getrost als «Berlinerin» gelten. Seit 1912 in der deutschen Hauptstadt und dort seit 1924 öffentlich gezeigt, hat das nicht ganz freiwillige Exil doch sprachlich ziemlich abgefärbt. Mag auch die Büste der Nofretete beharrlich schweigen, ihre pharaonische Nachfolgerin bedient sich dreieinhalb Jahrtausende später ungeniert des örtlichen Jargons. Auch in...
Es stürmt und bläst, drum sucht das Schiff von Daland
In einer Bucht nach Schutz und trifft dort bald
Ein Boot voll toten Jungs, die – ganz schön alt –
Sofort (sei es nun hier, sei es im Saarland)
Die ew’ge Ruh’ umarmen würden, doch
Dazu bedarf es einer Frau, der Senta,
Und keinem Schatz, nicht Obst, auch nicht Polenta,
Drum macht man einen Deal, doch: Och!
Da ist...
Ein Biedermeierkomponist, ein Fabrikant von Potpourris hübscher Melodien, den man tunlichst nicht in einem Atemzug mit Weber und Wagner nennt: Diese tief verwurzelten Vorurteile gegen den Komponisten Albert Lortzing widerlegte das Gewandhausorchester Leipzig jetzt grandios. Erst die gewaltig berstende Ouvertüre und später manch andere symphonisch-polyphone Passage...
