Todesrevue
Den Tod sterben wir bekanntermaßen allein: Violetta windet sich auf dem nackten Boden des Bühnenrands – da ist der Vorhang längst gefallen –, nur der empfindungslose Blick des Conférenciers in der Loge haftet auf ihr. Verflogen sind Rausch und Glanz des Varietés, verschwunden ist das Partyvolk. Mit diesem Schlussbild setzt Barbora Horáková Joly eine treffsichere Pointe und bricht so die durchgängige «Theater-im-Theater»-Logik dieser Neuinszenierung von Verdis «La traviata» effektvoll auf.
«Amore e Morte» hatte der Komponist sein Melodramma um die Pariser Halbweltdame zunächst taufen wollen. Horáková Joly und ihre Bühnenbildnerin Eva-Maria van Acker nehmen sich den ursprünglich intendierten Titel zur Leitidee der Produktion an Dresdens Semperoper; deren vorrangigste Stärke ist das opulente Belle-Époque-Setting, mit seinen zeittypischen Kostümen, spritzig choreografierten Tanzeinlagen und aufwändiger Lichtregie. Auf einem mehretagigen, rotundenartigen Gerüst spielt sich eine Revueshow ab, die sofort an das knallbunte «Moulin Rouge»-Musical von Baz Luhrmann denken lässt. Wie Nicole Kidman im Film darf auch Violetta auf einer Schaukel von oben herabschweben.
Das Kammerspiel, als das ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Werner Kopfmüller
Mit Kurt Weill als Musical-Komponist fremdelt man im deutschsprachigen Raum nach wie vor. Ein Beispiel ist Weills «Lady in the Dark» (von 1941) mit den Gesangstexten von Ira Gershwin und dem Libretto von Moss Hart. Spätestens nach dem Erfolg der Hollywood-Satire auf die Fashion-Welt «Der Teufel trägt Prada» (2006) mit Meryl Streep in der Rolle der eisernen...
Der Bedarf an Biografien namentlich weiblicher Verwandter von berühmten Persönlichkeiten speist sich vermutlich vor allem aus zwei Quellen: Erstens liegen über Thomas Mann, Johann Wolfgang von Goethe und eben Richard Wagner so zahl- und umfangreiche Bücher vor, dass eine Erweiterung des Blicks aus der Verlegenheit ständiger Wiederholungen heraushelfen kann....
Es stürmt und bläst, drum sucht das Schiff von Daland
In einer Bucht nach Schutz und trifft dort bald
Ein Boot voll toten Jungs, die – ganz schön alt –
Sofort (sei es nun hier, sei es im Saarland)
Die ew’ge Ruh’ umarmen würden, doch
Dazu bedarf es einer Frau, der Senta,
Und keinem Schatz, nicht Obst, auch nicht Polenta,
Drum macht man einen Deal, doch: Och!
Da ist...
