Steiler Aufstieg und frühes Leid

Sopranwunder, Filmstar, Partydiva der sechziger und siebziger Jahre: Anna Moffo ist tot

Opernwelt - Logo

Was heute Anna Netrebko ist, war in den sechziger und siebziger Jahren Anna Moffo. Sie verfügte über Beauté und Aura eines Hollywood-Stars. Nur dass ihre optischen Reize dem Niveau einer Gesangskunst entsprachen, das Anna Netrebko bislang nicht erreicht. Anna Moffo bestach mit einer lyrischen, vollen und strahlenden Sopranstimme sowie vollendeter Koloraturtechnik. Das Pub­likum war süchtig nach Anna Moffo. Aber auch alle gro­ßen Pultstars der Zeit, ob Karajan, Stokowski oder Tullio Serafin, waren ihr erlegen.

Spätestens als sie Moffo zum ersten Mal hörten, hatten sie alle Zweifel an der singenden Schönheit über Bord geworfen. Eugen Ormandy brachte es auf den Punkt: «Ich dachte, es sei unvorstellbar, dass jemand, der so schön ist, so gut singen soll.» Herbert von Karajan engagierte Moffo 1957 für seinen «Fals­taff» bei den Salzburger Festspielen als Nanetta, zwei Jahre später debütierte sie bereits als Violetta an der Met, die für viele Jahre ihr Zuhause wurde. Dort sang sie Mozart, Verdi, das französische und das italienische romantische Belcanto-Fach des canto fiorito, bis sie 1976 ihren Abschied gab. Nebenher hatte sie in vielen Filmen mitgewirkt.
Geboren wurde sie 1932 als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 22
von Dieter David Scholz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tatjanas Traum

Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Diese...

Strauss: Der Rosenkavalier

Wie jemand, der aus dem «Wozzeck» ein globalisierungskritisches Drama gemacht hat, den «Rosenkavalier» inszeniert, wäre schon sehenswert gewesen. Allein, die Komische Oper entband den angekündigten Richard Jones vom Dienst an Strauss. Begründung: Konzept zu teuer, der Hausherr macht‘s billiger. So sprang Andreas Homoki ein und überarbeitete mit Bühnenbildner Frank...

Atem der Großstadt

Ein Jammer, dass Stephan Suschke nicht Katharina Wagner heißt. Denn dann wäre seine Neuinszenierung der selten gespielten Oper «Das Herz» von Hans Pfitzner im Mainfrankentheater vermutlich auf jene über­regionale Resonanz gestoßen, die sie verdient hätte: Die Großkritiker, die zum Regiedebüt der Wagner-Urenkelin 2002 noch alle kamen, sind ausgeblieben. Aber auch...