Tatjanas Traum
Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Dieses imaginative, ins Surreale abhebende Hinterland suchte Steven Pimlott in seiner Inszenierung von Tschaikowskys Oper zu erforschen – angeregt auch durch die vielfältigen Verfremdungseffekte des Dekors von Antony McDonald sowie durch Philippe Jordans äußerst differenzierte und nuancierte Interpretation der Partitur voller Rallentandi und Accellerandi. Substanzielle Auseinandersetzung dieser Art bekommen wir an Covent Garden selten zu sehen. Erfreulich, dass die Royal Opera letztlich doch ein künstlerisches Gewissen zu haben scheint, da sie gewillt ist, Risiken auch bei einer der populärsten Opern einzugehen.
Diese Risiken entstanden dadurch, dass Pimlott darauf bestand, die Oper als Tatjanas Traum zu sehen. Er nutzte dazu eine Episode in Puschkins Versroman, die Tschaikowsky eliminiert, aber durch seine von motivischen ...
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Im Fall der traditionellen chinesischen Oper (xiqu) lässt sich von einem Gesamtkunstwerk der performativen Künste sprechen. Schamanistische Praktiken, Tänze, Jahrtausende alte Ringkämpfe und Hochstemmwettbewerbe, Schwertschlucker und Zauberer aus dem Römischen Reich, die über die Seidenstraße ins «Reich der Mitte» gereist waren, oder Bambusstamm-Equilibristen aus...
Ein Jammer, dass Stephan Suschke nicht Katharina Wagner heißt. Denn dann wäre seine Neuinszenierung der selten gespielten Oper «Das Herz» von Hans Pfitzner im Mainfrankentheater vermutlich auf jene überregionale Resonanz gestoßen, die sie verdient hätte: Die Großkritiker, die zum Regiedebüt der Wagner-Urenkelin 2002 noch alle kamen, sind ausgeblieben. Aber auch...
«Erst auf Brünnhildes inbrünstiges Flehen mildert Wotan seinen Spruch. Das Wasser teilt sich und gibt einen Durchgang frei.» Das rote LED-Laufband auf dem Portikus des Aachener Stadttheaters lockt Passanten an. Nach Zufallsprinzip hat Volker Straebel Sätze aus Opern-Inhaltsangaben ausgewählt und nebeneinander gestellt. Das Theater der Kaiserstadt wagt sich als...
