Tatjanas Traum
Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.
Dieses imaginative, ins Surreale abhebende Hinterland suchte Steven Pimlott in seiner Inszenierung von Tschaikowskys Oper zu erforschen – angeregt auch durch die vielfältigen Verfremdungseffekte des Dekors von Antony McDonald sowie durch Philippe Jordans äußerst differenzierte und nuancierte Interpretation der Partitur voller Rallentandi und Accellerandi. Substanzielle Auseinandersetzung dieser Art bekommen wir an Covent Garden selten zu sehen. Erfreulich, dass die Royal Opera letztlich doch ein künstlerisches Gewissen zu haben scheint, da sie gewillt ist, Risiken auch bei einer der populärsten Opern einzugehen.
Diese Risiken entstanden dadurch, dass Pimlott darauf bestand, die Oper als Tatjanas Traum zu sehen. Er nutzte dazu eine Episode in Puschkins Versroman, die Tschaikowsky eliminiert, aber durch seine von motivischen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Expansion des DVD-Marktes hat bei den großen Opernhäusern (und nicht nur bei den großen) einen oftmals wenig selbstkritischen Veröffentlichungseifer freigesetzt. Da wird manches für die Ewigkeit konserviert, was den Ruhm des Instituts nicht mehrt, vielmehr dazu angetan ist, gewachsene Legenden zu zerstören.
Drastisches Beispiel: Die Mailänder Scala und ihre...
Ein Handlungsreisender in Sachen Rache. Hamlet schleppt Koffer, blickt unsicher umher: Wo bin ich hier? Das fragt sich nicht nur er, sondern wohl auch ein Großteil der Zuschauer bei dieser ersten «Hamlet»-Aufführung in der Geschichte der Rheinoper. Ursprünglich sollte die Premiere bereits im neuen Einjahres-Ausweichquartier, im RheinOperMobil, stattfinden, doch...
Märchenoper oder politische Parabel? Man ist sich weitgehend einig, dass Rimsky-Korsakow mit der Geschichte vom selbstherrlichen König Dodon das zaristische System seiner Zeit treffen wollte. Aber lässt sich das Werk deshalb so mir nichts, dir nichts auf jede andere Regierung übertragen? Andreas Baesler hat in Oldenburg sein Inszenierungskonzept auf die...
