Tatjanas Traum

London, Tschaikowsky: Eugen Onegin

Opernwelt - Logo

Gedanken, Traum, Realität: Wo hört das eine auf, fängt das andere an? Fragen, die Covent Gardens neue Produktion von «Eugen Onegin» stellt, wenn sie Tatjana aus der unschuldigen Landschaft ihrer Jugend in die luxuriöse Raffinesse von St. Petersburg begleitet. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind miteinander verwoben im romantischen Wunsch nach Erfüllung.


Dieses imaginative, ins Surreale abhebende Hinterland suchte Steven Pimlott in seiner Inszenierung von Tschaikowskys Oper zu erforschen – angeregt auch durch die vielfältigen Verfremdungseffekte des Dekors von Antony McDonald sowie durch Philippe Jordans äußerst differenzierte und nuancierte Interpretation der Partitur voller Rallentandi und Accellerandi. Subs­tan­zielle Auseinandersetzung dieser Art bekommen wir an Covent Garden selten zu sehen. Erfreulich, dass die Royal Opera letztlich doch ein künstlerisches Gewissen zu haben scheint, da sie gewillt ist, Risiken auch bei ­einer der populärsten Opern einzugehen.
Diese Risiken entstanden dadurch, dass Pimlott da­rauf bestand, die Oper als Tatjanas Traum zu sehen. Er nutzte dazu eine Episode in Puschkins Versroman, die Tschaikowsky eliminiert, aber durch seine von motivischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Andrew Clark

Vergriffen
Weitere Beiträge
Britten: A Midsummer Night's Dream

Hamburgs neue Opernintendantin und Generalmusikdirektorin Simone Young plant für die nächsten Jahre einen umfassenderen Britten-Zyklus für ihr Haus. Sie darf dabei auf die gute Britten-Tradition der Hamburger Oper verweisen, die einst mit Günther Rennert begann. Nachdem es längere Zeit einmal um das Opernschaffen des Komponisten etwas ruhiger geworden war,...

«Da fließt es schwarz»

Luigi Cherubinis Vertonung der finsters­ten aller griechischen Tragödien markiert einen Wendepunkt der Opern­geschichte. Mit diesem 1797 in Paris ­uraufgeführten Werk des seit 1786 in Frankreich lebenden Cherubini kommt die von Gluck begonnene Verschmelzung der italienischen Opera seria mit der französischen Tragédie lyrique zum Abschluss und treibt zugleich weit...

Der gemixte Orlando

«Orlando» wurde am 20. August 1720 im Privattheater des Prinzen von Torella in Neapel uraufgeführt. Das Besondere an dieser Premiere: Die Titelpartie sang ein damals noch unbekannter Sänger, der später als ­Farinelli Weltruhm erlangen sollte. Er war Schüler des Komponisten Nicola Porpora. Dieser war damals vierunddreißig Jahre jung und hatte bereits sieben Opern...