Atem der Großstadt

Würzburg, Pfitzner: Das Herz

Opernwelt - Logo

Ein Jammer, dass Stephan Suschke nicht Katharina Wagner heißt. Denn dann wäre seine Neuinszenierung der selten gespielten Oper «Das Herz» von Hans Pfitzner im Mainfrankentheater vermutlich auf jene über­regionale Resonanz gestoßen, die sie verdient hätte: Die Großkritiker, die zum Regiedebüt der Wagner-Urenkelin 2002 noch alle kamen, sind ausgeblieben. Aber auch ohne sie wird sich vermutlich nicht nur bei den Opernfreunden aus der Region herumsprechen, dass sich die Fahrt nach Würzburg lohnt.


Vieles kommt da zusammen: ein kaum bekanntes Stück von 1931, das inhaltlich nicht nur wegen der ­Organverpflanzungsthematik verblüffend gut in die heutige Zeit passt; eine ausdrucksstarke, gleichwohl feine Musik, die hörbar auf der spätromantischen Opern­literatur fußt, mit ihren expressionistischen Einspren­g­seln den Bogen schlägt zu Berg und Hindemith und zuweilen moderner klingt, als es dem Komponisten selbst bewusst gewesen sein mag; eine Inszenierung, die mit viel Stil- und Feingefühl, mit modernen Mitteln und ohne Effekthascherei die Fantastik in diesem Werk unterstreicht; eine großartige solistische Besetzung und eine musikalische Realisierung, die kaum Wünsche offen lässt.
Stephan ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Monika Beer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Strauss: Der Rosenkavalier

Wie jemand, der aus dem «Wozzeck» ein globalisierungskritisches Drama gemacht hat, den «Rosenkavalier» inszeniert, wäre schon sehenswert gewesen. Allein, die Komische Oper entband den angekündigten Richard Jones vom Dienst an Strauss. Begründung: Konzept zu teuer, der Hausherr macht‘s billiger. So sprang Andreas Homoki ein und überarbeitete mit Bühnenbildner Frank...

Spitzentöne aus der Pappkulisse

Das Internet spricht eine deutliche Sprache. Wer sich ein paar Tage nach dem Tod von Birgit Nilsson und Anna Moffo etwa auf der Seite www.youtube.com einklickte, der fand dort nicht nur wunderbare Videoclips diverser lange verstummter Belcanto-Größen von Ettore Bastianini bis Zinka Milanov, sondern ebenso von trauernden Fans frisch hi­nein­gestellte TV-Ausschnitte...

Editorial

Die Dichte an Opernhäusern in Deutschland ist nach wie vor einzig­artig. Wer in Amerika oder Japan, in Skandinavien oder Italien mit Theaterleitern spricht, wird überall auf ähnliche Reaktionen stoßen: so viele Häuser, so viele Eigenproduktionen, so viel Tradition, so viele Profile – was für ein Potenzial, was für ein Reichtum an kultureller Grundversorgung. Wie...