Steile Lernkurve
Daten sind wichtig in diesen Tagen, weil sie Kontext liefern in einer sich rasant verändernden Lage. Ende Mai diskutiert Österreich das Klein-Klein von Hygiene-Regeln für Live-Chorproben, die Schweiz will Veranstaltungen mit 300 Personen wieder zulassen, auch in Deutschland, wo man mit föderalem Regelsalat hadert, kommen Musiker wieder zusammen. In London bleiben Läden und Cafés geschlossen. Und Manhattans Straßen sind wie ausgestorben. Trotzdem spielt die New Yorker Heartbeat Opera vor internationalem Publikum. Die findige Kompanie hat sich angepasst – und setzt mit «Lady M.
» auf «Zoom».
Zahllose Chöre und Orchester haben sich in den vergangenen Monaten online zu Proben getroffen – unter großen Einschränkungen. Zwar können Kammerbesetzungen mit viel Geduld und etwas Hardware (externes Audio-Interface, Mikro, Kopfhörer, optimierter Internetverbindung) die Zeitverzögerungen der Klangübertragung reduzieren: Eine Software wie «SoundJack» (Digital Stage) schafft die Verbindung für bis zu sechs technikaffine Musiker. Größere Ensembles allerdings brauchen einen eigenen Server. Den Normalverbraucher bleiben Zoom, Skype & Co, wo Pegelwaage und große Latenz jedem Versuch musikalischer ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Focus Spezial, Seite 13
von Wiebke Roloff-Halsey
Natürlich hat Goethes Theaterdirektor recht: «Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen. Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und jeder geht zufrieden aus dem Haus.» In diesen unerfreulichen Zeiten hätte man freilich auch Lust, der Hochsprache des Dichterfürsten den phonetischen Kiezjargon Bora Dagtekins...
Mehr als zwei Jahrhunderte lang waren Namen wie Leonardo Leo, Nicola Porpora oder Alessandro Scarlatti nur Musikgelehrten und einigen Kennern geläufig. Von der Musik dieser im 18. Jahrhundert gefeierten Komponisten waren allenfalls ein paar wenige Werke als arie antiche bekannt und dienten im Gesangsunterricht zur Vorbereitung auf vermeintlich anspruchsvolleres...
Die Realität ist bloß eine Illusion, verursacht durch mangelnden Alkoholgenuss», schrieb jemand, der sich auf solche Ausfallserscheinungen offenbar nicht einlassen wollte, an eine Hauswand in der Wiener Innenstadt. Wir wissen nicht, ob der Schreiber irgendetwas mit Oper zu tun hatte; sicher ist jedenfalls, dass er den Signori Cilea, Giordano, Leoncavallo, Mascagni...
