Aus empathischer Distanz

Eine neue «Cavalleria rusticana», konzertant aus Dresden, und Piotr Beczałas Verismo-Album «Vincerò»

Die Realität ist bloß eine Illusion, verursacht durch mangelnden Alkoholgenuss», schrieb jemand, der sich auf solche Ausfallserscheinungen offenbar nicht einlassen wollte, an eine Hauswand in der Wiener Innenstadt. Wir wissen nicht, ob der Schreiber irgendetwas mit Oper zu tun hatte; sicher ist jedenfalls, dass er den Signori Cilea, Giordano, Leoncavallo, Mascagni und Puccini mit einer solchen Behauptung nicht hätte unter die Augen treten dürfen, wiesen doch gerade diese Herren der Wirklichkeit eine besondere Rolle zu.

«Heut’ schöpft der Künstler kühn aus dem wirklichen Leben schaurige Wahrheit», verkündet Tonio in Leoncavallos «Der Bajazzo» programmatisch das Anliegen des Verismo. Wobei solche Wahrheits-Schauer zugleich enthüllen, dass es doch wieder nicht die Realität des Alltags ist, sondern eine der Bühne. Also doch Illusion – im Fall von Mascagnis «Cavalleria rusticana» auch mit reichlichem Alkoholgenuss verbunden. Viva il vino spumeggiante!

 

Der Lava spuckende Ätna auf dem Cover der Neueinspielung dieses legendären Einakters durch Marek Janowski und die Dresdner Philharmonie weckt indes Erwartungen, denen die Aufnahme nicht immer gerecht wird. Janowski, seit Januar 2019 an ...

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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Gerhard Persché