Die große Simulation
Natürlich hat Goethes Theaterdirektor recht: «Die Masse könnt ihr nur durch Masse zwingen. Ein jeder sucht sich endlich selbst was aus. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen, und jeder geht zufrieden aus dem Haus.» In diesen unerfreulichen Zeiten hätte man freilich auch Lust, der Hochsprache des Dichterfürsten den phonetischen Kiezjargon Bora Dagtekins entgegenzusetzen: «Fack ju Göhte.» Denn online vermittelte Konserven beispielsweise vermögen ultimative Zufriedenheit nicht zu erregen; das unmittelbare Feedback fehlt einfach.
Selbst live wirkt ein Konzert im TV letztlich doch wie ein gemaltes Dinner – speziell mit Künstlern in Sicherheitsdistanz und vor leeren Reihen.
Zugleich ist bitter nötig, aus dieser schlimmen Lähmung, von der keiner weiß, wie lange sie dauern wird, rauszukommen. Auch wenn solche Versuche nur in Maßen begeistern, eher geisterhaft erscheinen. Wie etwa dieses Live-Event «Spielen für Österreich» der Wiener Staatsoper und des Österreichischen Fernsehens aus dem zuschauerlosen Radiokulturhaus Wien. Wirklich befriedigt dürfte nach dieser Veranstaltung allenfalls Alexander Wrabetz, Generaldirektor des ORF, gewesen sein, der auf 210 000 Zuschauer verweisen ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Zwischenruf, Seite 57
von Gerhard Persché
Den Stein ins Rollen brachten ein Diplom-Ingenieur und ein Anglistik-Professor. Man könnte auch sagen: deren aufgeklärte Begeisterung für das Werk Richard Wagners. Als Heinz Weyringer 1995 mit Walter Bernhart in Graz das «Wagner Forum» gründete, ahnte niemand, dass aus diesem Verein, der als liberal-weltoffene Alternative zu der gegen die Erneuerung der Bayreuther...
Mehr als zwei Jahrhunderte lang waren Namen wie Leonardo Leo, Nicola Porpora oder Alessandro Scarlatti nur Musikgelehrten und einigen Kennern geläufig. Von der Musik dieser im 18. Jahrhundert gefeierten Komponisten waren allenfalls ein paar wenige Werke als arie antiche bekannt und dienten im Gesangsunterricht zur Vorbereitung auf vermeintlich anspruchsvolleres...
61. Jahrgang, Nr 7
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
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Best.-Nr. 752335
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