Offene Grenzen
Mehr als zwei Jahrhunderte lang waren Namen wie Leonardo Leo, Nicola Porpora oder Alessandro Scarlatti nur Musikgelehrten und einigen Kennern geläufig. Von der Musik dieser im 18. Jahrhundert gefeierten Komponisten waren allenfalls ein paar wenige Werke als arie antiche bekannt und dienten im Gesangsunterricht zur Vorbereitung auf vermeintlich anspruchsvolleres Repertoire oder als Einsingstücke in Liederabenden italienischer Opernstars.
Mit dem Siegeszug der Barockoper kehrten in den letzten Jahrzehnten auch Leo, Porpora und der ältere der beiden berühmten Scarlattis wieder zurück ins öffentliche Bewusstsein. Souverän gesungen und virtuos gespielt, vermögen auch Opern Porporas und Scarlattis heute wieder ein Publikum zu begeistern. Die Wiederentdeckung des Opernkomponisten Leo steht noch aus, dafür ist die Kirchenmusik dieses neapolitanischen Meisters in jüngster Zeit wieder häufiger zu hören und zu bewundern.
Für ihr erstes Soloalbum hat die französische Altistin Anthea Pichanick vier geistliche Solokantaten der drei genannten Komponisten ausgewählt, Werke, die eindrucksvoll belegen, wie offen die Grenzen zwischen weltlicher und geistlicher Musik waren. So wie barocke Kirchen ...
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Opernwelt Juli 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Thomas Seedorf
«Otello» ist der Gipfelpunkt des romantischen italienischen Melodrammas und zugleich ein Meilenstein in der Entwicklung des dramatischen Tenors, vor allem aber eine Partie, deren stimmliches Profil alles übertrifft, was Verdi bis dahin von seinen Sängern verlangt hatte. Schallkraft und baritonales Timbre, strahlende Höhe und heldisches Pathos sind unerlässliche...
Liebhaber deutscher Bühnenkunst in Argentinien hatten sich zu gedulden im April 1929: «Alexander Moissi [ist] mit anderen Passagieren an Bord eines Ozeandampfers leicht an Gelbfieber erkrankt. Das Schiff mußte deshalb in Buenos Aires in Quarantäne gehen und Moissi war gezwungen, sein Gastspiel im dortigen Theater zu verschieben.» Wie heute erwiesen sich Schiffe als...
Es gebe, schreibt Maurice Maeterlinck einmal, «eine alltägliche Tragik, die viel wahrer und tiefer ist und unserem wahren Wesen weit mehr entspricht, als die Tragik der großen Abenteuer. Sie ist leicht zu empfinden, aber schwer darzustellen». Gabriel Fauré fand für diese Tragik des Alltags, für die Erschütterungen im äußeren Gleichmaß des Lebens, den unhörbaren...
