Starke Affekte
Der Kampf ist zwar noch nicht beendet, doch wenigstens darf der Kaiser endlich auf die Bühne: Nachdem das Berliner Kammergericht im Juni 2006 die Nutzung der wiederaufgefundenen Kopie von Vivaldis «Motezuma» freigegeben und damit eine Feuerpause bis zur endgültigen Entscheidung durch den Bundesgerichtshof ausgerufen hat, darf nun das Publikum entscheiden, ob das Stück die ganze Aufregung überhaupt wert war.
Denn immerhin handelt es sich bei den Notenblättern, die der Musikwissenschaftler Steffen Voss vor vier Jahren im repatriierten Archiv der Berliner Singakademie entdeckt hatte, nur um ein Fragment: Während das Libretto vollständig vorliegt, ist von der Musik nur der zweite Akt nahezu komplett erhalten. Sowohl im ersten wie im dritten Akt ist die Flickarbeit von Musikwissenschaftlern und Arrangeuren gefragt, wenn man das Azteken-Opus auf die Bühne bringen will. Eine Aufgabe, die das Theater Heidelberg für die szenische deutsche Erstaufführung erfreulich ernst genommen hat. Statt (wie in der CD-Ersteinspielung unter Alan Curtis) bloß andere Vivaldi-Opern als Ariensteinbrüche für «Motezuma» zu benutzen, ergänzte der junge Komponist Thomas Leininger die fehlenden Teile im ...
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Zugegeben, es sieht gut aus, was Ausstatter Denis Krief auf die Bühne des Staatstheaters Karlsruhe wuchtet. Zugegeben, die Personenführung in der «Götterdämmerung» hat der Regisseur gleichen Namens am sorgfältigsten ausgearbeitet. Trotzdem wird man mit diesem «Ring» szenisch nicht glücklich. Natürlich stellt Krief optische Bezüge zu den vorhergehenden Teilen der...
Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung:...
Benjamin Brittens «Gloriana» ist seine wohl am meisten unterschätzte und am seltensten aufgeführte Oper. Dabei ist dieses zugleich prachtvolle und intime, von äußerem Glanz und privatem Scheitern erzählende Stück über die alternde Königin Elizabeth I., komponiert zwischen «Billy Budd» und «The Turn of the Screw» zur Inthronisation von Elizabeth II. (1953), eines...
