Strauss: Ariadne auf Naxos
Von wegen «wüste Insel»! Zürichs mythisches Naxos liegt gleich um die Ecke vom Opernhaus. Es ist die legendäre Speisegaststätte Kronenhalle. Christian Schmidt hat sie einfach auf der Zürcher Opernbühne nachgebaut. Auf eine Verwandlung mehr oder weniger kommt es in Strauss’ verwandlungsreicher «Ariadne» nun wirklich nicht an.
Auch der Haushofmeister hat sich hier in einen heutigen Zeitgenossen verwandelt, ihn gibt der Hausherr persönlich: Genießerisch kostet Alexander Pereira seine Pointen aus, bringt sich im Vorspiel wie im Opernspiel als Stammgast der Kronenhalle ein; nie dürften die Worte über das «ausbedungene Honorar nebst einer munifizenten Gratifikation» mit süffisanterer Autorität verkündet worden sein.
Claus Guths Regie holt die «Ariadne auf Naxos» ebenfalls ins Jetzt, sehr elegant, in strengem Schwarz-Weiß, nur Zerbinetta wird kurvenbetonendes Grün zugestanden. Ihre langmähnigen Boys benehmen sich tadellos unter der Kronenhallen-Hautevolée, zumindest solange sie noch nüchtern ist. Ariadne sitzt trauernd am Tisch, allein mit einer Flasche Wein – bis zum Erscheinen jenes kühnen Knaben, der wahrlich ein Gott sein muss: Er nimmt ein paar Trauben, presst sie aus und destilliert ...
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