Aufbrüche, Umbrüche, Einbrüche

«Eugen Onegin» in Moskau, «Le nozze di Figaro» in Nowosibirsk und manche neuen Töne: Alexej Parin sondiert die russische Opernlandschaft

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Die Lage bleibt unübersichtlich, die Suche nach Orientierung ein Abenteuer. So ungewiss, so haltlos wie das Leben im heutigen Russland, so brüchig ist auch das Verhältnis zu Tradition, Geschichte und Kunst geworden. Der allgemeinen Verunsicherung entsprechen ästhetische Provisorien, nicht zuletzt auf den (Musik­theater-)Bühnen.

Wie hält man es mit Tschai­­kowsky, mit Mussorgsky und anderen Ikonen der russischen Musik? Wo­rin besteht die Aktualität eines Schostakowitsch? Was sagen Mozart oder Verdi unter den Bedingungen eines autoritä­ren Staatskapitalismus, in dem Geld und Macht das Maß aller Dinge sind?
Am Bolschoi Theater versucht Dmitri Tscherniakow eine behutsame Entstaubung der musealen Pflege des Erbes, die dort jahrzehntelang dominierte. In diesem Sinne war Tscherniakows Inszenierung von Tschaikow­skys «Eugen Onegin» die vielleicht wichtigs­te Neuproduktion der aktuellen Saison. In den ers­ten fünf ohne Pause gespielten Bildern führte er uns die brodelnde, ausgelassene Welt einer russischen Großfamilie vor. Man dachte an die Rostows in Tols­tojs «Krieg und Frieden», an das seelisch gebrochene Personal in Tschechows «Onkel Wanja». Die Handlung spielt im Speisesaal eines ...

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Opernwelt Februar 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Alexej Parin

Vergriffen
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