Aufbrüche, Umbrüche, Einbrüche
Die Lage bleibt unübersichtlich, die Suche nach Orientierung ein Abenteuer. So ungewiss, so haltlos wie das Leben im heutigen Russland, so brüchig ist auch das Verhältnis zu Tradition, Geschichte und Kunst geworden. Der allgemeinen Verunsicherung entsprechen ästhetische Provisorien, nicht zuletzt auf den (Musiktheater-)Bühnen.
Wie hält man es mit Tschaikowsky, mit Mussorgsky und anderen Ikonen der russischen Musik? Worin besteht die Aktualität eines Schostakowitsch? Was sagen Mozart oder Verdi unter den Bedingungen eines autoritären Staatskapitalismus, in dem Geld und Macht das Maß aller Dinge sind?
Am Bolschoi Theater versucht Dmitri Tscherniakow eine behutsame Entstaubung der musealen Pflege des Erbes, die dort jahrzehntelang dominierte. In diesem Sinne war Tscherniakows Inszenierung von Tschaikowskys «Eugen Onegin» die vielleicht wichtigste Neuproduktion der aktuellen Saison. In den ersten fünf ohne Pause gespielten Bildern führte er uns die brodelnde, ausgelassene Welt einer russischen Großfamilie vor. Man dachte an die Rostows in Tolstojs «Krieg und Frieden», an das seelisch gebrochene Personal in Tschechows «Onkel Wanja». Die Handlung spielt im Speisesaal eines ...
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Maskierungen und Verschleierungen auf der Opernbühne scheinen oft ein Fall für die Humorforschung. Bisweilen wirken die Figuren seltsam begriffsstutzig: Geht eine Frau neben einem Mann, und weil sie sich abwendet, merkt er nicht, dass es die eigene ist. Bei einem Maskenball hingegen fischen zwei Liebende einander so schnell aus dem Pulk, als hätten sie sich ein...
Angesetzt waren diese «Meistersinger» am Grand Théâtre Genf für Armin Jordan: Der schweizerische Meisterdirigent hatte das Werk bisher nie geleitet und sich gewünscht. Der Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Jordan starb wenige Wochen vor der Premiere (siehe OW 11/2006). Einspringer Klaus Weise, sonst Musikchef der Oper in Halle, tat dem Theater und Jordan (dem...
Zugegeben, es sieht gut aus, was Ausstatter Denis Krief auf die Bühne des Staatstheaters Karlsruhe wuchtet. Zugegeben, die Personenführung in der «Götterdämmerung» hat der Regisseur gleichen Namens am sorgfältigsten ausgearbeitet. Trotzdem wird man mit diesem «Ring» szenisch nicht glücklich. Natürlich stellt Krief optische Bezüge zu den vorhergehenden Teilen der...
