Sprechende Gesten
Viermal lockt die blonde Schöne den Liebe suchenden Tannhäuser in der gleichen Pose. Jedes Mal vergrößert sich bis zum Ende der Ouvertüre ihr Gefolge. Dabei watet man auf der Bühne des Stadttheaters Klagenfurt knöcheltief durchs Wasserbassin. Der französische Regisseur David Bobée sieht nämlich im Venusberg nicht die lodernde Glut wild entflammter Begierde, sondern eine Wasserwelt, warum auch immer. Und so steht unser Wanderer vor einer Videowand mit Wassermotiven – von vergrößerten Tropfen bis zu Eiskristallen (Wojtek Doroszuk).
Ansonsten geht es eher keusch und statuarisch zu, weshalb man auch nicht genau weiß, warum der Mann aus jener Welt fliehen will.
Denn «zu Hause» erwartet ihn ja auch nur eine wie zu Stein erstarrte, von Axel Aust entsprechend grau gekleidete Männergesellschaft, die streng ihrer Religion folgt. Weshalb – Bobée arbeitet als sein eigener Bühnenbildner mit zeichenhaften Elementen – eine monumentale Marienskulptur mit gesenktem Haupt überdeutlich den zentralen Bühnenplatz einnimmt. Wenn die Freunde der Liebe quasi den Sängerkrieg erklären, vor symmetrisch links und rechts auf Podesten gestaffeltem Chorvolk, bleibt Tannhäuser auf verlorenem Posten. Und wenn er ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Karl Harb
Christina Pluhar
Sie sucht das Unerhörte, Ungewöhnliche, Überraschende. Mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata erkundet die Lautenistin und Harfenistin das Terrain der Alten Musik – um es mit Experimenten, Modernisierungen und kühnen Repertoire-Erweiterungen aufzufrischen. Künftig will sie sich vor allem um Bühnenwerke kümmern. Ein Gespräch
Hans Abrahamsen
Er hat ein...
Ein bisschen stolz sind sie schon, die Musikexperten in der Strasbourger Arte-Zentrale. Seit zehn Jahren ist Arte Concert, die digitale Plattform für Klassik, Oper, Jazz, Pop & Rock, Metal, Electronic, Weltmusik, Bühnenkunst und demnächst auch Barockes, auf Sendung – im Netz, umsonst und rund um die Uhr. Fast vier Millionen mal wurde zwischen September 2018 und...
Da geistert eine Figur durchs Geschehen, die haben sie in den Proben den «Tod» genannt. Später heißt er Hippolyte. Er taucht bald hier auf, bald dort. Verschwindet wieder, ist nicht greifbar. Geheimnisvoll, gespenstisch wird er zur heimlichen Hauptperson, zum Stichwortgeber, zum Drahtzieher. Der Tod, das muss ein Wiener sein? Man spielt den «Rosenkavalier» von...
