Spitzentöne aus der Pappkulisse
Das Internet spricht eine deutliche Sprache. Wer sich ein paar Tage nach dem Tod von Birgit Nilsson und Anna Moffo etwa auf der Seite www.youtube.com einklickte, der fand dort nicht nur wunderbare Videoclips diverser lange verstummter Belcanto-Größen von Ettore Bastianini bis Zinka Milanov, sondern ebenso von trauernden Fans frisch hineingestellte TV-Ausschnitte mit den eben entschlummerten Diven. Denn das Auge isst bekanntlich mit.
Natürlich sind Moffo wie Nilsson akustisch gut und greifbar dokumentiert, doch sind wir schließlich alle Voyeure, und gerade bei der Moffo war die äußere Erscheinung mindestens ebenso Teil des Primadonnen-Gesamtkunstwerks wie die vokale Grundausstattung. Auch die Nilsson hat ihre optisch eindrucksvollen Momente. Und je länger die Glanzzeit der Vokalstars zurückliegt, desto ephemerer werden sie jenseits ihres CD-Erbes als Persönlichkeiten für nachwachsende Opernfans, die nicht erst bei Bartoli, Fleming, Netrebko & Co einsteigen wollen.
Inzwischen trägt dem – ähnlich wie bei den mehr oder weniger legalen historischen Aufnahmen – ein wachsender DVD-Markt mit historischem Film- und TV-Material Rechnung. Markführer sind dabei die von Codaex nach und nach ...
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Mitte März: Spätabends schleicht eine Gruppe junger Menschen durch die Luther-Stadt Wittenberg, bepackt mit Beuteln und Taschen, und lässt in jeden verfügbaren Briefkasten ein Stück Papier hinabtauchen. Wer sich am nächsten Morgen dieses Stück Papier zu Gemüte führte, dürfte einigermaßen überrascht gewesen sein. Nicht etwa ein Werbezettel, sondern ein Flyer...
Ein Handlungsreisender in Sachen Rache. Hamlet schleppt Koffer, blickt unsicher umher: Wo bin ich hier? Das fragt sich nicht nur er, sondern wohl auch ein Großteil der Zuschauer bei dieser ersten «Hamlet»-Aufführung in der Geschichte der Rheinoper. Ursprünglich sollte die Premiere bereits im neuen Einjahres-Ausweichquartier, im RheinOperMobil, stattfinden, doch...
Einmal im Kreis laufen kann eine Reise zu einem fernen Ort bedeuten, ein kurzes Kopfnicken das Ende eines langen Schlafes anzeigen. Das chinesische Theater hat Bewegungen und Gebärden wie diese über Generationen entwickelt und bewahrt. Bertolt Brecht hat es bewundert. Oder präziser: Weniger die Techniken der Beibehaltung als jene der Veränderung des Ausdruckskanons...
