Patchwork
Ein Handlungsreisender in Sachen Rache. Hamlet schleppt Koffer, blickt unsicher umher: Wo bin ich hier? Das fragt sich nicht nur er, sondern wohl auch ein Großteil der Zuschauer bei dieser ersten «Hamlet»-Aufführung in der Geschichte der Rheinoper. Ursprünglich sollte die Premiere bereits im neuen Einjahres-Ausweichquartier, im RheinOperMobil, stattfinden, doch aus terminlichen Gründen blieb man nun doch dem sanierungsbedürftigen Haupthaus treu. Mit der Konsequenz, dass man dort auf einmal einen ungleich größeren Bühnenraum zu bestücken hatte.
Woher aber in der Eile ein Bühnenbild nehmen? Man entschied sich für ein Requisitensammelsurium, stellte Säulen aus dem «Rosenkavalier» auf, pflanzte das Bett der «Gezeichneten» in die Mitte, revitalisierte ein «Lohengrin»-Pferd und drapierte das Jung-«Siegfried»-Babystühlchen und eine «Don-Carlos»-Puppe seitlich. Hamlet findet sich also mit seinen Koffern im Theater wieder – was für die weitere Aufführung bzw. die Idee der Inszenierung ohne wirkliche Konsequenzen bleibt; Gleiches gilt für die am hinteren Bühnenrand diashow-ähnlich ablaufenden Naturbild-Sequenzen mit Zitaten aus Heiner Müllers «Hamletmaschine».
Chefdramaturg Michael Leinert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nicht «Spirto gentil», sondern «Ange si pur»: Der junge Klosterbruder, den die Liebe erwischte, lässt sich nun auch in Zürich auf Französisch vernehmen. Es spricht sich mehr und mehr herum, dass Gaetano Donizettis «Favoritin» sich in der Pariser Urfassung wesentlich genauer den Worten anschmiegt als in der mit links erstellten späteren italienischen Version. «La...
Sie wollte immer schon Sopran werden und war sehr traurig, dass es «nur» zum Mezzo gereicht hat. Die internationalen Erfolge, die sie über ein Jahrzehnt im tieferen Stimmfach hatte, konnten Violeta Urmana nicht über das Gefühl hinwegtrösten, das eigentliche Ziel verfehlt zu haben. Unterdessen trennte sie sich nach und nach von typischen Mezzo-Partien wie Azucena,...
Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Turandot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein...
