Spielerische Fülle, suggestive Leere
Wenn Text und Musik einer Opernpartitur die Grundlage aller Überlegungen für eine Inszenierung abgeben, wie Regisseure gern betonen, ohne immer danach zu handeln, dann gilt für die Werke Richard Wagners noch etwas anderes. Das Wesen des Musiktheaters, der Kern, war für ihn das Drama, «das wirklich vor unseren Augen sich bewegende Drama», das, was in Bildern einer Handlung auf der Bühne realisiert wird. Nur, das Vorspiel zum «Lohengrin» beginnt so immateriell unwirklich, dass man sich kein Bild aus einer realen Welt dazu vorstellen mag.
Diese «Romantische Oper» scheint aus lauter Innenansichten heraus zu leben. In Berlin und in Stuttgart standen jetzt zum «Lohengrin» zwei Regie-Statements und Bildwelten zur Diskussion, die sich diametral zueinander verhielten – hier die Fülle, dort die Leere.
Prominente Zeitgenossen Wagners empfanden das «Lohengrin»-Vorspiel, die Poesie der Streicher in höchsten Lagen, als eine so wirkmächtige Zauberformel, dass es ihnen fast die Sprache verschlug. So fühlte sich Peter Tschaikowsky «in das Reich des Lichtes, der Wahrheit und der Schönheit» erhoben, und Hector Berlioz glaubte dabei eine «höchst ergreifende Wirkung» zu verspüren. Der Dichter Charles ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon der Titel ist Programm: Schlicht «Lucretia» steht auf den Plakaten, mit denen Kopenhagens Oper ihre neue Produktion ankündigt. Von der Vergewaltigung, die eigentlich im Titel von Benjamin Brittens 1946 uraufgeführter Kammeroper angekündigt wird, ist keine Rede. Doch hat sie überhaupt stattgefunden? In der revidierten und bislang einzig gespielten Fassung, die...
Manchmal sind Inhaltsangaben im Programmheft unverzichtbar. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Und manchmal stiften sie nur Verwirrung. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Beides ist auf die Inszenierung von Marcus Lobbes zurückzuführen, der mit seiner Variante von Kagels «Der mündliche Verrat» zum Freiburger Spielzeitauftakt die Rituale des...
Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind...
