Spielerische Fülle, suggestive Leere
Wenn Text und Musik einer Opernpartitur die Grundlage aller Überlegungen für eine Inszenierung abgeben, wie Regisseure gern betonen, ohne immer danach zu handeln, dann gilt für die Werke Richard Wagners noch etwas anderes. Das Wesen des Musiktheaters, der Kern, war für ihn das Drama, «das wirklich vor unseren Augen sich bewegende Drama», das, was in Bildern einer Handlung auf der Bühne realisiert wird. Nur, das Vorspiel zum «Lohengrin» beginnt so immateriell unwirklich, dass man sich kein Bild aus einer realen Welt dazu vorstellen mag.
Diese «Romantische Oper» scheint aus lauter Innenansichten heraus zu leben. In Berlin und in Stuttgart standen jetzt zum «Lohengrin» zwei Regie-Statements und Bildwelten zur Diskussion, die sich diametral zueinander verhielten – hier die Fülle, dort die Leere.
Prominente Zeitgenossen Wagners empfanden das «Lohengrin»-Vorspiel, die Poesie der Streicher in höchsten Lagen, als eine so wirkmächtige Zauberformel, dass es ihnen fast die Sprache verschlug. So fühlte sich Peter Tschaikowsky «in das Reich des Lichtes, der Wahrheit und der Schönheit» erhoben, und Hector Berlioz glaubte dabei eine «höchst ergreifende Wirkung» zu verspüren. Der Dichter Charles ...
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Manchmal sind Inhaltsangaben im Programmheft unverzichtbar. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Und manchmal stiften sie nur Verwirrung. Wie im Fall des Freiburger «Simon Boccanegra». Beides ist auf die Inszenierung von Marcus Lobbes zurückzuführen, der mit seiner Variante von Kagels «Der mündliche Verrat» zum Freiburger Spielzeitauftakt die Rituale des...
Es ist eine makabre, für empathische Zuschauer schwer erträgliche Situation. Und doch besitzt sie musiktheatrale Energie, wie sie nur selten aus einer historischen Handlung kommt: In den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg waren Betäubungsmittel verboten, wenn die Patienten nicht bei den Operationen starben, so an der primitiven Anästhesie. Doktor Eisenbart,...
Die Severance Hall, ein Jugendstilschrein von selten anzutreffender Pracht, wurde 1931 eröffnet. Für einige Zeit hatten in dem Konzertsaal auch szenische Opernaufführungen Konjunktur. Die Sänger agierten auf der Bühne, das Orchester saß im Graben. Nach mehreren konzertanten Opern mit allen Beteiligten auf der Bühne griff Franz Welser-Möst, der amtierende...
