Spiel und Erkenntnis: Was bleibt von 2017/18?
Ohne Spiel wäre die Menschwerdung des Menschen undenkbar, glaubte Friedrich Schiller. Nur als homo ludens sei dieser imstande, Sinn zu stiften. Nicht als auktorialer Erzähler, der über das Gute, Wahre und Schöne verfügt, sondern als Suchender in offenem Terrain. Der spielende Mensch handelt, spricht, tanzt, singt gleichsam auf Probe, um sich zu erkennen und die Folgen seines Tuns.
Der Kulturhistoriker Johan Huizinga begriff das Spiel als die wesentliche Triebkraft im Prozess der Zivilisation: Alle Wissenschaft, Politik, auch das kodifizierte Recht gehe letztlich auf spielerisch-experimentell erworbene Erfahrung zurück. Der homo ludens schaut mit Kinderaugen auf die Welt, ohne Scheu, Fremdes zu erkunden, ohne Angst, sich zu verlieren. Er ist das träumerisch vagabundierende Urbild jenes anderen, durch instrumentelle Vernunft gesteuerten Typus, der strategisch vorgeht, klar umrissene Ziele im Blick – der homo faber. Max Frisch hat ihm 1957 ein fiktives Denkmal gesetzt, ihn als verlorenen Helden des 20. Jahrhunderts beschrieben: einen zweckrationalen Beweger, der sich die Natur gefügig zu machen, jeden Zufall auszuschließen sucht. Für den homo faber heißt Schöpfung: technische ...
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Den Titel ihres kürzlich erschienenen Memoirenbandes darf man durchaus als Lebensmotto verstehen: «Leicht muss man sein». Der Versuchung, sich das (ihr von Karl Böhm, Bernstein, Karajan und anderen angetragene) hochdramatische Fach zu erobern, hat sie widerstanden. Als Elvira, Dorabella, Carmen, Adalgisa, Octavian oder Marschallin aber – um nur einige ihrer...
Als er vor sieben Jahren zum ersten Mal «Sänger des Jahres» wurde, gehörte er noch zum Ensemble der Frankfurter Oper. Es war die Zeit seiner Debüts an der Mailänder Scala und der Berliner Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen und in Glyndebourne. Dort gastierte Johannes Martin Kränzle seinerzeit mit jener Partie, die ihn 2014 an die Met, 2017 nach Covent...
Wie viel Antisemitismus steckt in den «Meistersingern»? Schwingen in der Figur Beckmessers die judenfeindlichen Reflexe Richard Wagners mit? War «die heil’ge deutsche Kunst», von Hans Sachs beschworen, als Kampfbegriff angelegt, oder wurde das Stück erst später nationalistisch vereinnahmt? Kann man, zumal nach dem Kniefall der Bayreuther Festspiele vor dem...
