Spiel und Erkenntnis: Was bleibt von 2017/18?
Ohne Spiel wäre die Menschwerdung des Menschen undenkbar, glaubte Friedrich Schiller. Nur als homo ludens sei dieser imstande, Sinn zu stiften. Nicht als auktorialer Erzähler, der über das Gute, Wahre und Schöne verfügt, sondern als Suchender in offenem Terrain. Der spielende Mensch handelt, spricht, tanzt, singt gleichsam auf Probe, um sich zu erkennen und die Folgen seines Tuns.
Der Kulturhistoriker Johan Huizinga begriff das Spiel als die wesentliche Triebkraft im Prozess der Zivilisation: Alle Wissenschaft, Politik, auch das kodifizierte Recht gehe letztlich auf spielerisch-experimentell erworbene Erfahrung zurück. Der homo ludens schaut mit Kinderaugen auf die Welt, ohne Scheu, Fremdes zu erkunden, ohne Angst, sich zu verlieren. Er ist das träumerisch vagabundierende Urbild jenes anderen, durch instrumentelle Vernunft gesteuerten Typus, der strategisch vorgeht, klar umrissene Ziele im Blick – der homo faber. Max Frisch hat ihm 1957 ein fiktives Denkmal gesetzt, ihn als verlorenen Helden des 20. Jahrhunderts beschrieben: einen zweckrationalen Beweger, der sich die Natur gefügig zu machen, jeden Zufall auszuschließen sucht. Für den homo faber heißt Schöpfung: technische ...
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Sie ist nicht die einzige Künstlerin, die sich mit flammender Wehmut an die Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau erinnert. Während der Proben zum legendären «Ring» auf dem Bayreuther Festspielhügel hat Hanna Schwarz den französischen Regisseur kennen- und sofort schätzen gelernt. Später, in der Pariser «Uraufführung» der komplettierten «Lulu» Alban Bergs, war sie...
Die Inszenierungen, in denen sie auftrat, besaßen wenig oder gar keine Sprengkraft. Umso mehr durfte man sich an der vokalen Virtuosität erfreuen, die Anna Netrebko versprühte – als Maddalena di Coigny im Mailänder «Andrea Chénier», wo sie für «die einsam hohe Kunst der cremigen Phrasierung, hell-licht schwebende Spitzentöne, glühende Piani und gutturale...
Toshio Hosokawas Musik lebt aus dem Spannungsverhältnis von japanischer Tradition und westlicher Avantgarde. Drei seiner Opern – «Hanjo» (2004), «Matsukaze» (2011) und zuletzt «Stilles Meer» (2016) – beruhen auf Stoffen des japanischen Nō-Theaters. Für sein jüngstes Musiktheaterwerk «Erdbeben. Träume» hat Hosokawa sich, wie bei seinem Erstling «Vision of Lear»...
