Spiel der Projektionen
Wie konfus Kulturpolitik in heutigen Krisenzeiten agiert, lässt sich schön am Modell der Opernehe sehen. In Düsseldorf/Duisburg stand das seit 56 Jahren erprobte Rheinopern-Konstrukt wieder einmal auf der Kippe, die hoch verschuldete Stadt Duisburg wollte raus aus der (für sie auch finanziell durchaus vorteilhaften) Ehe. Nach zähem Ringen soll es nun doch weitergehen, aber das herausragende Ballett unter Martin Schläpfer soll bluten.
Kaum waren die Scheidungsgerüchte in der Welt, liebäugelte der Düsseldorfer OB Elbers plötzlich mit der Kölner Oper, deren Finanzprobleme nebst Rausschmiss des Intendanten Laufenberg unlängst für bundesweiten Klatschruhm sorgten. Zeitgleich warf der Bonner OB Nimptsch ein begehrliches Auge auf die klamme Kölner Braut. Den einen scheint eine Opernehe zu teuer, andere gieren auf Spar- und Synergie-Effekte eines solchen Modells. Seriöse Kulturpolitik sieht anders aus.
Die Premiere von Mozarts «Don Giovanni» fiel in Duisburg genau vor die entscheidende Ratssitzung und war ein mehr als überzeugendes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Rheinoper. Regisseurin Karoline Gruber dreht die Frage nach der Titelfigur bewusst um. Der Abend kreist nicht um die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Regine Müller
«Erich, nix baden – komponieren!», so sprach (laut Überlieferung durch Karl Böhm) einst während eines Urlaubsaufenthaltes am Wörthersee der gestrenge Wiener Musikkritiker Julius Korngold zu seinem noch unmündigen Sohn Erich Wolfgang. Das Resultat war die Renaissance-Tragödie «Violanta» – nach der Konversationskomödie «Der Ring des Polykrates» bereits die zweite...
Vor dem Eingang zur Pariser Opéra Comique stehen sie seit 1898 Seite an Seite, in Stein gemeißelt, überlebensgroß: Carmen und Manon, jene beiden Frauen, die nach den Worten des legendären Impresarios Albert Carré «die zwei Meisterwerke dieses Hauses und der französischen Musik» repräsentieren.
Ist es Manons Schuld, wenn heute Carmen die Spielpläne dominiert? George...
Impressum
53. Jahrgang Nr. 8
Opernwelt wird herausgegeben
vom Friedrich Berlin Verlag
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752246
Redaktion Opernwelt
Knesebeckstraße 59-61 | 10719 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 0
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
E-Mail: redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
Redaktionsschluss dieser Ausgabe war
der 10.07.2012.
Redaktion:
Stephan Mösch
Albrecht...
