Spiegel des Grauens

Das Theater an der Wien bringt Strauss’ «Salome» heraus – in der neuen Orchesterfassung von Eberhard Kloke, in Szene gesetzt von Nikolaus Habjan, dirigiert von Leo Hussain, mit einer entfesselten Marlis Petersen in der Titelrolle

Opernwelt - Logo

Irgendwann an diesem Abend durchfliegt einen der Gedanke an Beethovens «Eroica». Und die Frage, wie viele Musiker wirklich nötig sind, um dieses symphonische Schlüsselwerk angemessen zu interpretieren. Während heute bis zu 80 Musiker auf dem Konzertpodium sitzen, waren es bei der Uraufführung der Symphonie anno 1803 im Palais des Fürsten Lobkowitz gerade einmal 30. Eine Aufnahme gibt es von diesem kühnen künstlerischen Unterfangen bekanntermaßen nicht; glaubt man aber den Zeitzeugen (wozu guter Grund besteht), muss die Wirkung beträchtlich gewesen sein.

Womit wir bei Richard Strauss und seiner «Salome» wären. Als sich am 9. Dezember 1905 der Vorhang in der Dresdner Hofoper hob, saßen im Graben 110 Musiker; die maßlose Partitur verlangte danach. Verlangte nach vier Flöten, fünf Klarinetten, sechs Hörnern, je vier Posaunen und Trompeten, nach Basstuba, zwei Harfen, Celesta, Orgel, Harmonium, verschiedenem Schlagzeug und nach einer fetten Streicherbesetzung. Auch hier: enorme Wirkung.

Den Verantwortlichen des Theaters an der Wien war also klar, dass sie – wollten sie die «Salome» programmieren – ein bisschen Breslau spielen mussten. Dort war das «Musik-Drama in einem Aufzug» kurz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Ein Glanz von innen

Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod»,...

Griechische Passion

Als das weitläufige Kulturzentrum, das seinen Namen trägt, im Februar 2017 den Betrieb aufnahm, war Stavros Niarchos schon 21 Jahre tot. Nach dem Krieg, in den 1950ern und 1960ern, hatte der in Athen aufgewachsene Unternehmer mit einer günstig erworbenen und weltweit eingesetzten Schiffsflotte, zu der zeitweilig 80 Tanker gehörten, Milliarden verdient. Wie sein...

An der Klippe

Was, wenn die Pariser Nationaloper zahlungsunfähig wird? Seit Ende letzten Jahres steuert der Riesentanker geradlinig auf diese Klippe zu. Zwischen dem Beginn des landesweiten Streiks gegen Frankreichs Rentenreform am 5. Dezember 2019 und Ende Januar wurden 76 Vorstellungen abgesagt. Allein im Dezember bezifferten sich die Verluste auf 14 Millionen Euro. Ob – und...