Editorial März 2020
War es wirklich eine Überraschung, was da Ende Januar aus der sächsischen Landeshauptstadt an die Öffentlichkeit drang? Der Verein, der den seit 2006 jedes Jahr in Dresden veranstalteten Semper-Opernball organisiert, hatte den durch einen Staatsstreich an die Macht gekommenen ägyptischen Despoten Abdel Fattah El-Sisi für seine Verdienste als «Hoffnungsträger und Mutmacher» Afrikas, gar als «herausragende[n] Brückenbauer und Friedensstifter» ausgezeichnet. Ball-Chef Hans-Joachim Frey war eigens nach Kairo gereist, um dem Feldmarschall persönlich einen St.
-Georgs-Orden zu überreichen, der – eigentlich im Rahmen der nach dem Modell des Wiener Staatsopernballs (inklusive Debütanten) konzipierten Gala – an VIPs aus Kultur, Politik, Sport, Wirtschaft und Gesellschaft verliehen wird. Nicht zum ersten Mal ging die Medaille an eine Persönlichkeit, die für das Gegenteil dessen steht, was eigentlich gewürdigt werden soll: der Einsatz für Freiheit, Pluralismus, Menschenrechte. Vor elf Jahren hatte Frey dem bekanntlich KGB-geschulten russischen Autokraten Wladimir Putin den Orden in die Hand gedrückt, 2017 gehörte ein saudischer Prinz zu den Geehrten. Eine Überraschung waren also allenfalls ...
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Opernwelt März 2020
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Albrecht Thiemann
Der Tod, so hat es Vladimir Jankélévitch mit poetischer Eindrücklichkeit formuliert, gleiche einer Leere, die mitten im Leben eines Wesens aufbricht; «das Seiende, das wie durch eine wundersame Verfinsterung plötzlich unsichtbar wird, stürzt sich auf einmal durch die Falltür des Nicht-Seins.» Andererseits, so der französische Philosoph in seinem Buch «Der Tod»,...
Die 1705 in Hamburg uraufgeführte «Almira» ist Händels einzige überlieferte deutschsprachige Oper, drei weitere sind verloren. Das stark dem Vorbild des vernachlässigten Reinhard Keiser verpflichtete Erstlingswerk des 19-Jährigen folgt ganz dem kosmopolitischen Stil der norddeutschen Barockoper. In bunter Folge reihen sich gereimte deutsche Rezitative und liedhaft...
Szenenanweisungen von Opernlibretti stehen bei Regieteams des 21. Jahrhunderts selten hoch im Kurs. Sie scheinen die interpretatorische Freiheit, die zu zeitgemäßen Sichtweisen führt, eher einzuschränken. Doch sie können auch beflügeln. Und wie. Nicola Hümpel und ihr kongenialer Bühnenbildner Oliver Proske beweisen es an der Staatsoper Hannover auf beglückende...
