Hommage an eine sterblich Getriebene

Reinvere: Minona
REGENSBURG | THEATER

Die Sache wird wohl nie zu klären sein: Hatte Beethoven eine Tochter mit seiner «unsterblichen Geliebten», der Gräfin Josephine Brunsvik? Das vermutet zum Beispiel der Musikhistoriker Harry Goldschmidt. Auf dessen Indizien und eigene Recherchen in estnischen Archiven stützt sich Jüri Reinvere, wenn er in seiner dritten Oper eben jene Minona ins Rampenlicht rückt, die Frucht einer heimlichen Liebesnacht von Ludwig van und Josephine gewesen sein soll.

Anfang Juli 1812, so die These, müssen sich der Komponist und seine ehemalige Klavierschülerin, die damals unglücklich mit dem aus Livland stammenden Baron Christoph von Stackelberg verheiratet war, in Prag begegnet sein, wofür nicht zuletzt der rege, teilweise überlieferte Briefwechsel der beiden spreche. Allein, belegen lässt sich nur Beethovens Besuch in der Stadt, alles andere bleibt Spekulation.

Die Frage, ob sie’s getan haben oder nicht, spielt in dem zum Auftakt des BTHVN-Jubiläumsjahres am Theater Regensburg uraufgeführten Zweiakter denn auch nur am Rande eine Rolle. Der in Tallinn (dem ehemaligen Reval, Sitz des Stackelberg-Clans) geborene und aufgewachsene Reinvere interessiert sich im selbstverfassten Libretto eher für die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Mozarrrt leppt!

Bis 2023 ist die Mozartwoche in Salzburg in der Hand des Multitalents Rolando Villazón. Der singt als Intendant nur noch auf offener Straße, zum Gaudium des «Fußvolks», mexikanische Ständchen an Mozarts Geburtstag, ist aber auch sonst allgegenwärtig: als Moderator und Gesprächsleiter, als Regisseur von sieben eigens beauftragten Dramoletten zu Mozart-Divertimenti,...

Klarer Fall

Der Mann hat besondere Vorlieben: «Senior Queens», Damen der reiferen Kategorie – und Geld genug, sich Mitwisser leisten zu können: Hat er eine bei einschlägigen Internetdiensten gefunden, dann lässt er sie von einem Gehilfen quer durch die Großstadt fahren, lackiert ihr daheim unter Klarsichtfolie die Fingernägel und sperrt sie anschließend in die siebte Kammer...

Blutige Kolonialgeschichte

Warum Franz Schrekers letzte Oper eines Tages den Weg auf den Spielplan belgischer Bühnen finden musste, erklärt schon der Titel: «Der Schmied von Gent». Die Opera Vlaanderen hat das Werk jetzt an ihren Spielstätten in Antwerpen und Gent herausgebracht – mit einem drastischen Bezug auf ein dunkles Kapitel der Geschichte Belgiens. Freilich schwimmt die flämische...