Spare das Gold nicht!
Hansgeorg Kling ist kein Mann der großen Gesten und Worte. Er wirkt lieber im Stillen, diskret, unauffällig, ohne aufgesetzten Aplomb, dafür aber mit größtem Engagement und mit profunder Sachkenntnis. Und vor allem in einem Fach ist der emeritierte Studienrat (Deutsch, Geografie und Politik) jeder Prüfung gewachsen: in der Wagner-Kunde. Jedes seiner Werke kennt Kling in- und auswendig.
Nur mit dem Singen hält er sich, zumindest in der Öffentlichkeit, tunlichst zurück; das überlässt der 84-jährige Vorsitzende des Richard-Wagner-Verbandes Kassel, der dieses Amt seit 1992 innehat, lieber denen, die dafür geboren und ausgebildet wurden. Und deswegen ist er in diesen Tagen auch ein bisschen traurig.
Rund 250 Stipendiaten reisen jeden Sommer aus aller Welt nach Bayreuth, um sich mit Werk und Wirkung des Gesamtkunstwerk-Meisters vertraut zu machen, um ihren Horizont zu erweitern – und natürlich auch, um die Chance zu ergreifen, auf sich aufmerksam zu machen mit kunstvollem Wagner-Gesang. Das hat Tradition, das gehört zum Grünen Hügel wie die Hitze drinnen im Festspielhaus und wie die mehr oder minder geschmackvollen Garderoben, die alljährlich vor dem Musentempel präsentiert werden. Und ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 12
von Jürgen Otten
Gustav Mahler», antwortet Dominique Meyer auf die Interviewfrage, welchen seiner Vorgänger er sich als imaginären Gesprächspartner wünsche. Jenen Solitär unter Wiens Operndirektoren also, der diese Position nahezu ins Metaphysische hob, indem er ihren Inhaber zum «Gott der südlichen Zonen» hochstilisierte. Wobei Mahler für Meyer freilich zum Malheur wurde. Denn der...
Eigentlich ist, spätestens mit diesem Jahr, dem 250. Geburtstag des Genies, alles gesagt, gedacht, geschrieben, geklärt. Die Causa Beethoven im Grunde abgeschlossen. Mehrere Regalkilometer füllt die Literatur über den Prometheus der Tonkunst, dessen einziges Manko es war, dass er keine gescheite Oper zu komponieren vermochte, weil seine eigene Musik zu absolut und...
«Während der Ein- und Auslasszeiten besteht Maskenpflicht, die Sitzordnung ist unbedingt einzuhalten», warnt die Pressestelle der Deutschen Oper in einer Mail drei Tage vor der Premiere ihres binnen kürzester Zeit in den Innenhof, auf das unwirtliche Parkdeck gewuchteten Ersatz-«Rheingolds». Maximal 175 Besucher erlauben die Mitte Juni in Berlin geltenden...
