Zwischenruf August 2020
Eigentlich ist, spätestens mit diesem Jahr, dem 250. Geburtstag des Genies, alles gesagt, gedacht, geschrieben, geklärt. Die Causa Beethoven im Grunde abgeschlossen. Mehrere Regalkilometer füllt die Literatur über den Prometheus der Tonkunst, dessen einziges Manko es war, dass er keine gescheite Oper zu komponieren vermochte, weil seine eigene Musik zu absolut und zu totalitär war, um von einer Bühnenhandlung diskursiv begleitet werden zu können.
Hier und da ein kleines Fitzelchen an Neuerkenntnis, einige Takte aus seiner Feder, die bislang in irgendeiner Schublade herumstaubten, nun gut, so etwas ist immer drin. Ansonsten aber sind wir hinreichend informiert über Ludwigs Leben und Werk.
Dachten wir jedenfalls. Nun aber werden wir von einem Theorem archimedischen Ausmaßes überrascht, das es fürwahr in sich hat. Denn stößt man beim Surfen durch die schöne, weite Welt des Internets auf den Hashtag (zu deutsch: Doppelkreuzmarkierung) #BeethovenWasBlack, traut man seinen Augen nicht. Denn dort wird, und das ist kein Scherz, die Kunde verbreitet, Ludwig van Beethoven sei ein Schwarzer gewesen. Manche bezeichnen ihn schon als «Brother», andere bearbeiten seine Porträts, damit er als ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 55
von Jürgen Otten
arte
02.08. – 16:00 Uhr
Das große Welttheater – Salzburg und seine Festspiele
Im 100. Jahr des Festivals gewährt der szenische Dokumentarfilm von Beate Thalberg einen Blick auf die Dramen und unbekannten Ereignisse, die sich hinter der Bühne abspielten. Von ihrer Gründung 1920 über den künstlerischen Widerstand nach Hitlers Machtergreifung und den Neustart 1945 bis...
Sein letztes Opus beschäftigt sie seit Langem. Immer wieder hat Barbara Hannigan die «Quatre chants pour franchir le seuil» gesungen. Sich in jene vier Meditationen über die Schwelle zum Tod vertieft, die Gérard Grisey 1998 abschloss, kurz bevor eine Hirnblutung den 52-Jährigen aus dem Leben riss. Mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle führte die...
Ein bisschen kräftiger dürfte das espressivo schon sein. «Fülle, Fülle», ruft Marek Janowski den Streichern zu, als es zu Beginn des zweiten Akts in den Kerker geht. Und pochen soll der Rhythmus nach Florestans Verzweiflungsschrei: «Gott, welch Dunkel hier!» Mehr «Substanz» fordert der 81-jährige Maestro später von den ersten Geigen und den Bratschen. Als wolle er...
