Zwischenruf August 2020
Eigentlich ist, spätestens mit diesem Jahr, dem 250. Geburtstag des Genies, alles gesagt, gedacht, geschrieben, geklärt. Die Causa Beethoven im Grunde abgeschlossen. Mehrere Regalkilometer füllt die Literatur über den Prometheus der Tonkunst, dessen einziges Manko es war, dass er keine gescheite Oper zu komponieren vermochte, weil seine eigene Musik zu absolut und zu totalitär war, um von einer Bühnenhandlung diskursiv begleitet werden zu können.
Hier und da ein kleines Fitzelchen an Neuerkenntnis, einige Takte aus seiner Feder, die bislang in irgendeiner Schublade herumstaubten, nun gut, so etwas ist immer drin. Ansonsten aber sind wir hinreichend informiert über Ludwigs Leben und Werk.
Dachten wir jedenfalls. Nun aber werden wir von einem Theorem archimedischen Ausmaßes überrascht, das es fürwahr in sich hat. Denn stößt man beim Surfen durch die schöne, weite Welt des Internets auf den Hashtag (zu deutsch: Doppelkreuzmarkierung) #BeethovenWasBlack, traut man seinen Augen nicht. Denn dort wird, und das ist kein Scherz, die Kunde verbreitet, Ludwig van Beethoven sei ein Schwarzer gewesen. Manche bezeichnen ihn schon als «Brother», andere bearbeiten seine Porträts, damit er als ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 55
von Jürgen Otten
Sein letztes Opus beschäftigt sie seit Langem. Immer wieder hat Barbara Hannigan die «Quatre chants pour franchir le seuil» gesungen. Sich in jene vier Meditationen über die Schwelle zum Tod vertieft, die Gérard Grisey 1998 abschloss, kurz bevor eine Hirnblutung den 52-Jährigen aus dem Leben riss. Mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle führte die...
Wir befinden uns in einem Hörsaal der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, in den 1990er-Jahren. Der Professor, auf dessen Lehrplan Kant und Machiavelli stehen sollten, doziert darüber, wie sich der Mythos mit seinem Drang der wiederholenden Erzählung kollektiver Erfahrungen und die lineare Geschichtsschreibung unterscheiden. Er erklärt Richard Wagners...
Als Julius Cyriax 1855 eine Aufführung von Wagners «Tannhäuser» sah, war’s um ihn geschehen: Mit Inbrunst verehrte der gerade 15-jährige Kaufmannssohn aus Gotha den Meister. Und dabei blieb es, sein Leben lang. Zu gern wäre er selbst Musiker geworden! Doch sein Vater wollte den Jungen in den eigenen Fußstapfen sehen. Also lernte der das Geschäft, ging 1858 erst...
