Der diskrete Charme des Bourgeois
Gustav Mahler», antwortet Dominique Meyer auf die Interviewfrage, welchen seiner Vorgänger er sich als imaginären Gesprächspartner wünsche. Jenen Solitär unter Wiens Operndirektoren also, der diese Position nahezu ins Metaphysische hob, indem er ihren Inhaber zum «Gott der südlichen Zonen» hochstilisierte. Wobei Mahler für Meyer freilich zum Malheur wurde.
Denn der diskrete Franzose, nunmehr Sovrintendente am Teatro alla Scala, wäre gerne in Wien geblieben, doch die Kulturpolitik wollte einen «zweiten Mahler», einen Umkrempler und Reformer, der die Staatsoper auch international wieder auffällig machen soll, nicht zuletzt beim (von einigen konservativen Zirkeln in Wien so herzlich verabscheuten) «deutschen Feuilleton».
Mahler war auffällig, impulsiv, streitbar, rücksichtslos nicht nur in künstlerischen Fragen. Dominique Meyer, Diplomatensohn und studierter Ökonom, ist das Gegenteil (übrigens auch zu seinem direkten Vorgänger Ioan Holender): unaufgeregt, verbindlich im Umgang, stets um gedeihliches Betriebsklima bemüht. Und er machte hinter den Kulissen einen guten Job, löste innerbetriebliche Probleme – etwa mit dem Staatsopernorchester –, war vor allem wirtschaftlich erfolgreich. ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Gerhard Persché
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