Späte Heimkehr
Die Musikgeschichte hält Schubladen bereit, meist für Künstler, die sich auf einem Gebiet besonders profiliert haben. Das ist bequem. Offenbach etwa steckt in der Operetten-Schublade. Und Johann Mattheson – war der überhaupt Komponist? – klemmt im Musikschriftsteller-Fach. Manch Aufschlussreiches erfährt man über das Musikleben im 18. Jahrhundert bei ihm. Kenntnisreich, gewitzt war seine Feder, Kollege Telemann in Hamburg nannte sie «stachlicht».
Doch Mattheson notierte nicht nur theoretisch, wie ein «vollcommener Capellmeister» zu sein habe, wie man eine Opera nach den Regeln zu schreiben habe, er beherrschte die Kunst auch. Ein Schatz wurde jedenfalls jetzt in Hamburg gehoben: «Boris Goudenow oder Der durch Verschlagenheit erlangte Thron» von 1710, damals nicht aufgeführt. Zu heikel das brisante Kapitel russischer Geschichte, zu nah an den tatsächlichen historischen Ereignissen um 1598, als Boris zum Zaren gekrönt wurde. «Royals» – so ein ungeschriebenes Gesetz – durften nicht auf der Bühne gezeigt werden. In Matthesons «Boris» gab es gleich zwei historische Zaren. Außerdem: Hamburg und St. Petersburg waren gerade Handelspartner geworden, die vermutlich nicht belastet werden ...
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