Sozialismus im Christentum
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss ein Zufall gewesen sein (für diese Annahme braucht es nicht einmal das berühmte Bielefeld-Bashing).
Kein Zufall ist, dass Martinůs lange Zeit wenig bekanntes, 2023 aber bei den Salzburger Festspielen aus dem Schatten getretenes Stück jetzt an gleich zwei Häusern herauskam: neben Bielefeld auch in Hannover. Womit man wieder beim Begriff vom«Stück der Stunde» wäre. Vorderhand ist es die Flüchtlingsproblematik, die zur Aktualität der «Greek Passion» beiträgt. Der eigentliche Kern des Werks liegt aber in der Frage, wie eine Gesellschaft mit dem moralischen Druck umgeht, den die Ankunft von Flüchtlingen erzeugt. Was den Druck hier zusätzlich erhöht: Es sind Landsleute, die der Hilfe bedürfen, aus der Türkei vertriebene Griechen, die in ihre Heimat, zu ihrer Herkunft zurückkehren. Die Oper, die auf Nikos Kazantzakis’ Roman «Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Clemens Haustein
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird,...
Freuen wir uns darüber, dass die Komische Oper Berlin wieder einen Generalmusikdirektor hat, der Akzente setzen kann. Der «Don Giovanni», den James Gaffigan dirigiert, ist frisch, elegant, dramatisch, dabei nie effektheischend; das Orchester des Hauses orientiert sich an den Erkenntnissen der historischen Aufführungspraxis, verzichtet weitgehend auf Vibrato,...
