Der Wutbürger schießt
Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird, sondern vor allem wegen der «ungewohnten Konzision und drastischen Gedrängtheit der Form […] fast wirkliche Musik-Bilder» habe man vor sich zu sehen geglaubt.
Wie Musik zu Bildern werden kann, führte Aubers ingeniöse Idee vor, die Titelrolle der Fenella als stumme Pantomime zu einem elaborierten Orchestersatz anzulegen, der im Laufe des Werks durch Rückerinnerungen immer sprechender wird, bis seine Rede unter dem Donner des Vesuvs untergeht.
Wie aber heute einen vordergründig eher pittoresken Historienschinken auf die Bühne bringen? Und dies in einem Moment, in dem das Publikum angesichts der Weltlage kaum noch «Aktualisierungen» braucht? Der Regisseur Paul-Georg Dittrich und sein erfindungsreicher Bühnenbildner Sebastian Hannak wählen einen durchaus gut gedachten Ansatz: Eine Zeitreise bringt uns aus der erzählten Zeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Klaus Heinrich Kohrs
Frau Akhmetshina, in drei Stunden singen Sie die Adalgisa. Trotzdem haben Sie sich bereit erklärt, dieses Gespräch zu führen. Sind Sie besonders cool?
Nein, nur ziemlich müde. Ich habe vergangene Nacht zwei Stunden geschlafen und bin gerade erst von Brüssel nach Wien geflogen. Da ich aber ohnehin für den Abend wach werden muss, kommt mir das hier gerade recht. Und...
Nicht Welten trafen im März 2016 in München aufeinander, eher Galaxien. Mahlers «Lied von der Erde» im Nationaltheater: Das war ein Grand mit drei Buben. Drei (durchaus sympathische) Streber standen da einem gegenüber, die auch ohne Hausaufgaben das Klassenziel erreichten, weil ihnen offenbar alles in den Schoß fiel. Hier Kirill Petrenko, der penible Abschmecker,...
Äneas Humm gebietet zweifelsohne über eine ausgezeichnete, charakteristische Baritonstimme, frei und offen, unmittelbar ansprechend, nobel im Ausdruck. Eine Stimme, die darüber hinaus durch vorbildliche Textverständlichkeit besticht. Auf dem Album mit dem Titel «Libertas» finden sich außerdem zwei seltene Komponisten-Namen: Amy Beach und Joseph Marx. Das klingt...
