Der Wutbürger schießt
Richard Wagner verehrte zeitlebens Daniel-François-Esprit Aubers «Muette de Portici». Das Stück war für ihn ein prägendes Jugenderlebnis, nicht nur wegen des spektakulären Sujets des neapolitanischen Lazzaroni-Aufstands von 1647 und des tragischen Scheiterns seines charismatischen Führers Masaniello, der wie ein Schatten die Konzeption von «Rienzi» begleiten wird, sondern vor allem wegen der «ungewohnten Konzision und drastischen Gedrängtheit der Form […] fast wirkliche Musik-Bilder» habe man vor sich zu sehen geglaubt.
Wie Musik zu Bildern werden kann, führte Aubers ingeniöse Idee vor, die Titelrolle der Fenella als stumme Pantomime zu einem elaborierten Orchestersatz anzulegen, der im Laufe des Werks durch Rückerinnerungen immer sprechender wird, bis seine Rede unter dem Donner des Vesuvs untergeht.
Wie aber heute einen vordergründig eher pittoresken Historienschinken auf die Bühne bringen? Und dies in einem Moment, in dem das Publikum angesichts der Weltlage kaum noch «Aktualisierungen» braucht? Der Regisseur Paul-Georg Dittrich und sein erfindungsreicher Bühnenbildner Sebastian Hannak wählen einen durchaus gut gedachten Ansatz: Eine Zeitreise bringt uns aus der erzählten Zeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Klaus Heinrich Kohrs
Oper? Tanztheater? Tragödie? Oder gar Comedy? Franck Chartier würde vermutlich nie nein sagen. Formal gesehen firmiert seine Inszenierung von Purcells «Dido and Aeneas» als Debüt in der Musiktheaterregie: für die Opernhäuser in Genf, Lille und Luxembourg. Und jetzt eben Basel. Doch das Ergebnis lässt sich erst mal schwer greifen. So wie der Sand, den es im Laufe...
Am 5. Juli endet eine kurze Ära – die des singenden Intendanten: An diesem Tag wird Jonas Kaufmann alias Siegmund mutmaßlich phonstark nach Papa Wälse rufen, in einem konzertanten ersten «Walküre»-Akt, um sich in Erl fortan nurmehr auf Administratives zu beschränken. Die Enttäuschung bei den eingefleischten Fans dürfte immens sein. In der Saison 2025/26 gibt es bei...
Das Genie des Leidens sitzt vorne rechts, am äußersten Rand der Bühne, an einem viel zu kleinen Schreibtisch. Oder besser: Ein Teil von ihm sitzt dort, umgeben von Büchern, Notizheften, einem rotleuchtenden Blümlein, einer Flasche Wein und anderen nützlichen oder weniger nützlichen Utensilien. Harry Haller, «ein Mann von annähernd fünfzig Jahren», wie sein Schöpfer...
