Sozialismus einmal heiter
Eine Operette, die keine Adligen, keine reichen Bürgersleut’ in den Mittelpunkt stellt, sondern gewöhnliche Werktätige? Aber ja, die gibt es, Gerd Natschinski hat sie komponiert. Sein «Messeschlager Gisela» wurde 1960 am Metropol-Theater in Berlin uraufgeführt, dem heutigen Admiralspalast, und war in der DDR ein großer Hit – bis zum Mauerbau ein Jahr später. Danach hatte das Stück, in dem die Figuren noch freizügig zwischen Schauplätzen in Ost und West pendeln, keine Chance mehr auf den Spielplänen.
Frisches Leben eingehaucht hat ihm jetzt die Komische Oper Berlin, die ihrerseits zwischen den Spielstätten pendelt; das Stammhaus in der Behrenstraße wird renoviert und erweitert. Um während dieser Zeit in der ganzen Stadt präsent zu sein, beschränkt man sich nicht nur auf das Ausweichquartier im Schiller Theater, sondern bespielt zudem den Flughafen Tempelhof oder die riesige Leerfläche vor dem Roten Rathaus, die sich dort anstelle der früheren Berliner Altstadt breitgemacht hat. Dort, zwischen Rosenbeeten und Betonspringbrunnen, wurde jetzt das rotschimmernde Art-Déco-Zelt «Queen of Flanders» aufgebaut. Es bringt Bar-jeder-Vernunft-Feeling in die urbane Ödnis und beschert dem ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Udo Badelt
Alexander Sergejewitsch Dargomyschski (1813–1869) war einer der wichtigsten russischen Komponisten, eine Art Brückenbauer zwischen den Komponisten des «Mächtigen Häuflein» und Michail Glinka. Als Teenager erhielt er dessen Segen, und dieser «kleine Mann, [...] der mit einer schrillen Sopranstimme sprach» (Glinka), wurde nicht nur zum Autor der schönsten und weithin...
Bernhard Lang gehört heute zu den originellsten, aber auch verstörendsten Komponisten der Gegenwart. Vor allem mit seinen zahlreichen Musiktheaterwerken hat der Österreicher Furore gemacht. Seine jüngste, im März 2024 in Stuttgart uraufgeführte Oper «Dora» feierte mit sechs ausverkauften Vorstellungen einen sensationellen Publikumserfolg. Lang ist ein Nomade des...
Die koreanische Pop-Welle hat längst sämtliche Ufer der östlichen und westlichen Hemisphäre erreicht, und Han Kangs Aufstieg zur Literatur-Ikone ist keine Ausnahme, sondern fast der Regelfall, den auch der deutsche Buchmarkt mit einer schier unübersehbaren Fülle von Übersetzungen bestätigt. Das koreanische Musikdrama kam diesen Entwicklungen zuvor, wurde jedoch im...
