Soziale Kälte

Thessaloniki, Puccini: La Bohème

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Mimì friert in Thessaloniki nicht nur auf der Opernbühne, sondern auch außerhalb des Theaters. Die Temperaturen in Griechenlands zweitgrößter Stadt sind im ­Februar nicht weit von denen in Paris entfernt. Auch Schnee ist hier kein Fremdwort, der unvermeidliche Bühnenschnee im zweiten Bild also nichts Exotisches für die Menschen unweit des Götterwohnsitzes Olymp.


Das fröstelnde Bühnenpersonal in Puccinis «La Bohème» trifft also in Thessaloniki auf ein durchaus sachkundiges Publikum, das nachvollziehen kann, dass win­ter­liche Kälte in Verbindung mit fehlender Heizung nicht eben angenehm ist. Neben dem Bühnenschnee kredenzt Regisseur Bruno Berger-Gorski in seiner Inszenierung des Verismo-Klassikers dem an Oper nicht übermäßig gewöhnten Publikum in Thessaloniki zahlreiche weitere Traditionalismen: den Belle-Epoque-Dachkammern-Existenzialismus mit Staffelei, Chaiselongue und Metallbett, in dem Mimì am Ende zitternd das Zeitliche segnet, eine Jahrhundertwende-Bistro-Staffage im zweiten Bild mit Oberkellnern in langen weißen Schürzen und mit silbernen Tabletts. Es gibt Jongleure und Stelzenläufer, ja sogar ein veritables ­Motorrad mit Beiwagen. Dem entsteigt Musette, um sogleich einen der ...

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Opernwelt April 2006
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Robert Jungwirth

Vergriffen
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