Solo für Violetta

Verdi: La traviata
HILDESHEIM | THEATER

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Etwas ist anders als sonst. Weit und breit kein Orchester in Sicht, auch den Chor, der in Verdis «Traviata» die Rolle der vergnügungssüchtig-degenerierten Gesellschaft spielt, sucht man vergebens.

Nur drei Menschen befinden sich im hochgefahrenen Graben des Hildesheimer Theaters: Studienleiter Panagiotis Papadopoulos, umgeben von einem Notenpult samt Partitur sowie einem Computer, geleitet die Sängerinnen und Sänger mit ruhiger Dirigierhand durch den Abend; zu seiner Rechten, an einem Klavier, sitzt Demian Ewig, ebenfalls ein hochsensibler Musiker, der die Tasten lieber streichelt als auf ihnen herumzudreschen, wie es Korrepetitoren zuweilen zu tun genötigt sind, weil sie ein ganzes Orchester imitieren müssen. Und dann ist da noch diese Frau im silbermetallic-schimmernden, herausfordernd dekolletierten Abendkleid. Wir kennen sie. Aber es ist nicht jene Kameliendame, die zweieinhalb Stunden später einen tragisch-tränenreichen Bühnentod stirbt. Es ist die Violetta Valéry, die sich mit Hilfe der Gegenstände, die sie so behutsam aus einer edelhölzernen Schatulle herausnimmt, als seien es zerbrechliche Schätze, erinnert, die noch einmal durchlebt, was der anderen Violetta widerfahren ist. Damals, um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum, in Paris, der schönen Zauberstadt. ...

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Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten

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