Solo für Violetta
Etwas ist anders als sonst. Weit und breit kein Orchester in Sicht, auch den Chor, der in Verdis «Traviata» die Rolle der vergnügungssüchtig-degenerierten Gesellschaft spielt, sucht man vergebens.
Nur drei Menschen befinden sich im hochgefahrenen Graben des Hildesheimer Theaters: Studienleiter Panagiotis Papadopoulos, umgeben von einem Notenpult samt Partitur sowie einem Computer, geleitet die Sängerinnen und Sänger mit ruhiger Dirigierhand durch den Abend; zu seiner Rechten, an einem Klavier, sitzt Demian Ewig, ebenfalls ein hochsensibler Musiker, der die Tasten lieber streichelt als auf ihnen herumzudreschen, wie es Korrepetitoren zuweilen zu tun genötigt sind, weil sie ein ganzes Orchester imitieren müssen. Und dann ist da noch diese Frau im silbermetallic-schimmernden, herausfordernd dekolletierten Abendkleid. Wir kennen sie. Aber es ist nicht jene Kameliendame, die zweieinhalb Stunden später einen tragisch-tränenreichen Bühnentod stirbt. Es ist die Violetta Valéry, die sich mit Hilfe der Gegenstände, die sie so behutsam aus einer edelhölzernen Schatulle herausnimmt, als seien es zerbrechliche Schätze, erinnert, die noch einmal durchlebt, was der anderen Violetta widerfahren ist. Damals, um die Mitte des 19. Jahrhunderts herum, in Paris, der schönen Zauberstadt. ...
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Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Jürgen Otten
Was heute als «rechts» verunglimpft werde, sei für ihn schlicht normal, äußerte Mitte Juni der soeben zum neuen Parteiobmann der Freiheitlichen gewählte österreichische Politiker Herbert Kickl. Den nicht rechts verankerten Fernsehzuseher mag die Hemmungslosigkeit dieser Äußerung überrascht haben und an Bertolt Brechts Arturo Ui denken lassen. Apropos: Als «One-man...
Müll, Müll, überall Müll. Sperrgut, Dreck, Schrott, Waschmaschinen, zerfetzte Sofas, ein Supermarkteinkaufswagen, mittendrin ein mächtiger toter Baum auf der Bühne des Nationaltheaters Mannheim. Lemurenhafte Gestalten, einige tragen Gasmasken, streifen herum, suchen Nahrung. Verheerungen eines Kriegs. Der Dreißigjährige im 17. Jahrhundert war das Trauma der...
Irgendwann wird man zurückblicken auf diese pandemische Zeit und sich fragen, ob man ihr nicht vielleicht doch irgendetwas Positives abgewinnen könnte. Strukturell sicher nicht, dazu machte die Politik den Künsten gar zu deutlich, für wie verzichtbar sie sie hält. Aber es gibt Einzelerscheinungen, die, aus der Not geboren, ganz wunderbar wurden. Gerade in der...
